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Am Seil

Eine Heldengeschichte

detebe Band 24523

Erich Hackl

(7)
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Beschreibung

Wie es dazu kam, dass der wortkarge Kunsthandwerker Reinhold Duschka in der Zeit des Naziterrors in Wien zwei Menschenleben rettete. Wie es ihm gelang, die Jüdin Regina Steinig und ihre Tochter Lucia vier Jahre lang in seiner Werkstatt zu verstecken. Wie sie zu dritt, an ein unsichtbares Seil gebunden, dank gegenseitigem Vertrauen überlebten. Was nachher geschah. Und warum uns diese Geschichte so nahegeht.

Erich Hackl, geboren 1954 in Steyr, hat Germanistik und Hispanistik studiert und einige Jahre lang als Lehrer und Lektor gearbeitet. Seit langem lebt er als freier Schriftsteller in Wien und Madrid. Seinen Erzählungen, die in 24 Sprachen übersetzt wurden, liegen authentische Fälle zugrunde. ›Auroras Anlass‹ und ›Abschied von Sidonie‹ sind Schullektüre. 2018 erschien die vielbeachtete Erzählung ›Am Seil. Eine Heldengeschichte‹. Hackl wurde unter anderem 2017 mit dem Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet. 

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 128
Erscheinungsdatum 25.07.2018
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-257-07032-3
Verlag Diogenes Verlag AG
Maße (L/B/H) 18.8/12.1/1.7 cm
Gewicht 193 g
Auflage 3. Auflage

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Ein ruhiger Held
von Buecherseele79 am 23.05.2020
Bewertet: Einband: Taschenbuch

„Noch während des Abstiegs geriet Lucia in Sorge, dass sie die kostbare Zeit im Freien durch Unachtsamkeit verderben könnte. Wieder hätte sie alles, was um sie war, am liebsten aufgesogen oder eingewickelt, um möglichst lang davon zerren zu können. Vogelgezwitscher, Wind in den Haaren, Duft von frisch gemähtem Gras.“ (Seite 58) ... „Noch während des Abstiegs geriet Lucia in Sorge, dass sie die kostbare Zeit im Freien durch Unachtsamkeit verderben könnte. Wieder hätte sie alles, was um sie war, am liebsten aufgesogen oder eingewickelt, um möglichst lang davon zerren zu können. Vogelgezwitscher, Wind in den Haaren, Duft von frisch gemähtem Gras.“ (Seite 58) So wie der Schreibstil von Erich Hackl ist, so war auch Reinhold Duschka – ruhig, besonnen, manchmal etwas schwierig, kein Mann der großen Worte, aber Menschlichkeit und Mitgefühl sind das Wichtigste. Und so beschreibt der Autor ebenso ruhig, manchmal etwas wirr, aber ohne große Worte verlierend, die Geschichte von Reinhold Duschka, der damals in Wien einer Frau und ihrer Tochter half, sich vor den Nationalsozialisten zu verstecken. Regina Steinig und ihre junge Tochter Lucia sind jüdisch und bevor sie in den Osten geschleppt werden, können sie bei Reinhold in der Werkstatt unterkommen. Mit diesem manchmal „wirren“ Schreibstil der keinem roten Faden folgt beschreibt der Autor die Geschichte der 3 Menschen die sich aufeinander verlassen müssen. Ich hatte zu Beginn meine Probleme, aber doch konnte mich diese kleine Geschichte begeistern und für sich einnehmen. Der Autor beschreibt nicht die ganzen Umstände, das Buch hat ca. 120 Seiten, die Umstände sind bekannt, was passierte als die Nationalsozialisten Europa überrannten. Wie schwer es war das Menschen die nicht in das „System“ passten um ihr Leben fürchten mussten. Die Geschichte wird aus den Erinnerungen von Lucia erzählt, vieles kann sie nur vermuten, nicht mehr genau wiedergeben. Wie ging es mit diesen 3 Personen weiter? Welche Probleme ergaben sich durch das Verstecken? Wie konnten sie sich vor Gestapo, neugierigen Augen, dem Hunger und den Bomben schützen? Es wird kurz und minimalistisch von Erich Hackl erzählt. Mir war der ruhige Reinhold Duschka sehr sympathisch, die Geschichte des Buches beruht auf wahren Begebenheiten. Er war kein Mann der sich ins Rampenlicht drängte, auch keiner der seine „Leistung“ für diese zwei Frauen in die Öffentlichkeit getragen hatte. „Reinhold, wie er auf der Straße auf die für ihn typische Art Nachbarinnen und Bekannte grüßt: mit halb erhobenem Arm, den Handrücken vor und zurück schwenkend, und mit einem meckernden, dabei ungemein einnehmenden Lachen.“ (Seite 112) Durch Enkelkinder und weitere Kinder von Reinhold oder anderen Bekannten in seinem Umfeld erhält die Geschichte auch zum Ende hin nochmals weitere Blickpunkte, man kann sich noch mehr ein Bild von der Situation machen und merkt dass es keine leichte Zeit war, auch dass Erinnerungen sich gerne verstecken und zurückhalten wenn sie solch schlimme Zeiten erleben mussten. Ich mochte das Buch, für mich ist Reinhold Duschka ein ruhiger aber unglaublich mutiger Mann ohne große Worte und Erich Hackl, in meinen Augen, genau der Richtige, um diese Geschichte zu Blatt zu bringen.

Jedes Wort wahr.
von einer Kundin/einem Kunden am 29.07.2018

Wie immer gelingt es Erich Hackl in schlichten Worten von Menschen zu berichten, die ohne viel Aufhebens ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Verfolgte zu retten. Trifft die Seele.

In einer Zeit der Unmenschlichkeit hat Reinhold Duschka "seinen Anspruch als Mensch" (101) gelebt.
von Miri am 16.10.2018

Das schmale Buch handelt von einem jüdischen Mädchen Lucia, ihrer Mutter und dem Kunsthandwerker Reinhold Duschka, einem Retter in der Zeit des 2.WKs. Hackl widmet dieses Buch der Gruppe, die ein wenig in den Hintergrund getreten ist (aus welchen Gründen auch immer: Angst, Bescheidenheit, Wunsch nach Anonymität, Schock...). Über... Das schmale Buch handelt von einem jüdischen Mädchen Lucia, ihrer Mutter und dem Kunsthandwerker Reinhold Duschka, einem Retter in der Zeit des 2.WKs. Hackl widmet dieses Buch der Gruppe, die ein wenig in den Hintergrund getreten ist (aus welchen Gründen auch immer: Angst, Bescheidenheit, Wunsch nach Anonymität, Schock...). Über die Täter und Opfer ist einiges bekannt, aber wer waren die Retter und warum schweigen diese? Am Beispiel von Reinhold wird ein Bild der Menschlichkeit in der Kriegszeit gezeigt. Selbstdisziplin, Verschwiegenheit, Einzelgängertum und Menschenkenntnis waren die "Waffen" mit denen man dem Naziregime trotzen und Leben retten konnte. Reinhold "hing" Jahre am Seil mit zwei Jüdinnen. Seil als Symbol für Vertrauen und Verbundenheit. Auch wenn man stolpert und in die Tiefe stürzt, ist dort jemand am anderen Ende des Seils, der einen hochzieht und das Leben retten kann. Tolles Buch, das nicht mit ausgeschmückten Details punktet, sondern mit Wahrheit im Sinne, die Geschichte so wiedergeben, wie sie in Erinnerung der Zeuginnen ist. Dass sich ein junges Mädchen nicht an alle Details erinnern kann, ist selbstverständlich. Die Details, die in Erinnerung bleiben sind dann umso stärker und aussagekräftiger wie zum Beispiel die Erinnerung an die Gummisohlen der russischen Soldaten: „Wir hatten beim Einmarsch die Deutsche Wehrmacht marschieren gesehen: Gezirkelte Bewegungen, stramm, straff. Das Knallen der Stiefel auf dem Pflaster. Die Russen dagegen sind nicht marschiert, sondern gegangen. Geschlendert! Das hat mich am meisten beeindruckt. Sie hatten weiche Filzstiefel an und trugen statt Stahlhelmen Pelzmützen" (74) und Vieles mehr. Die fehlenden Details und stellenweise gefühllosen Passagen bringen zum Nachdenken und der Begriff Erinnerungskultur gewinnt auch mit diesem Buch an Sichtbarkeit. Bald wird es keine Kriegszeitzeuginnen mehr geben, also empfehle ich jedem die Chance zu ergreifen, dieses Buch zu lesen.


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