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Drachenglanz / Die Feuerreiter Seiner Majestät Bd.4

Roman. Deutsche Erstveröffentlichung

Die Feuerreiter Seiner Majestät Band 4

Kaum haben Will Laurence und sein Drache Temeraire ihr Abenteuer im Ottomanischen Reich heil überstanden, da droht bereits das nächste Unheil: In Britannien ist eine verheerende Seuche ausgebrochen, und die Drachen der Feuerreiter siechen hilflos dahin. Niemand weiss, wie lange diese katastrophale Schwäche noch vor dem kriegslüsternen französischen Kaiser Napoleon geheim gehalten werden kann. Und so müssen Will Laurence und Temeraire sofort wieder aufbrechen – dieses Mal nach Afrika, wo es das einzige Heilmittel gegen die Seuche geben soll. Doch auf dem schwarzen Kontinent lauern vielfältige Gefahren ...

Portrait
Novik, Naomi
Naomi Novik wurde 1973 in New York geboren und ist mit polnischen Märchen, den Geschichten um die Baba Jaga und den Büchern von J.R.R. Tolkien aufgewachsen. Sie hat englische Literatur studiert, im Bereich IT-Wissenschaften gearbeitet und war ausserdem an der Entwicklung von äusserst erfolgreichen Computerspielen beteiligt. Doch dann erkannte Naomi Novik, dass sie viel lieber schreibt als programmiert. So machte sie sich an ihren Debütroman, mit dem sie die Herzen von Kritikern und Lesern gleichermassen eroberte: Drachenbrut, den ersten Band um die Feuerreiter Seiner Majestät. Naomi Novik lebt mit ihrem Mann und sechs Computern in New York.
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  • Teil eins

    1

    »Schicken Sie die nächste Rauf«, fuhr Laurence wütend den armen Calloway an, obwohl der seinen Verwünschungen nicht verdient hatte. »Verflucht! Wenn nötig, schicken Sie alle auf einmal rauf.« Der Kanonier feuerte die Leuchtraketen so rasch ab, dass seine Hände längst von schwarzen Verbrennungen überzogen waren. Ausserdem war ihm etwas Pulver auf seine Finger gerieselt, und da er sich nicht damit aufgehalten hatte, sie sauber zu wischen, ehe er das nächste Leuchtgeschoss an die Lunte hielt, lösten sich Teile der Haut bereits in hellem Rot ab.
    Wieder stürzte einer der kleinen französischen Drachen heran und hieb nach Temeraires Flanke, sodass fünf Männer schreiend abstürzten, als ein Teil des provisorischen Tragegeschirrs sich lockerte. Sofort verschwanden sie aus dem Lichtschein der Laternen und wurden von der Dunkelheit verschluckt. Das lange, aus gestreifter Seide zusammengedrehte Seil - ein Vorhang, den sie irgendwo abgerissen hatten und dessen Fäden von den zerrissenen Kanten flatterten - entfaltete sich sanft im Wind und segelte ihnen hinterher. Ein Stöhnen, auf das gedämpftes, zorniges Murmeln folgte, ging durch die Reihen der übrigen preussischen Soldaten, die sich noch immer verzweifelt an das Geschirr klammerten.
    Alle Dankbarkeit, welche diese Männer für ihre Rettung aus dem belagerten Danzig empfunden haben mochten, war längst verflogen. Drei Tage lang waren sie durch eisigen Regen geflogen, und als Verpflegung hatte es nur das wenige gegeben, was sie in jenen letzten, verzweifelten Momenten in ihre Taschen gestopft hatten. Abgesehen von einigen flüchtigen Stunden an einem kalten und sumpfigen Abschnitt der niederländischen Küste waren sie ohne Rast geflogen, nur um seit der vergangenen endlosen Nacht von einer französischen Patrouille gejagt zu werden. Solchermassen verängstigte Männer waren zu allem fähig, wenn sie in Panik gerieten. Immerhin verfügten viele der über hundert Soldaten, die sich an Bord drängten, noch über ihre Handfeuerwaffen und Klingen, und ihnen standen weniger als dreissig Mann von Temeraires ursprünglicher Besatzung gegenüber.
    Angestrengt suchte Laurence erneut mit seinem Teleskop den Himmel ab und hoffte, irgendwo Drachen oder zumindest ein Antwortsignal auszumachen. Das Ufer war in Sicht, die Nacht klar, und er konnte sogar den Schein der Lichter erkennen, mit denen die kleinen Häfen entlang der schottischen Küste gesprenkelt waren. Weiter unten hörte er das beständig lauter werdende Tosen der Brandung. Doch obwohl ihre Leuchtgeschosse bis nach Edinburgh hin deutlich zu sehen sein mussten, war noch keine Verstärkung eingetroffen, nicht einmal einen einzigen Kurierdrachen hatte man zu einem Kundschaftsflug entsandt.
    »Sir, das ist das Letzte.« Calloway hustete im grauen Qualm, der seinen Kopf umgab, als das Leuchtgeschoss emporpfiff. Lautlos entlud sich der Pulverblitz über ihren Köpfen und verwandelte die dahinjagenden weissen Wolken in ein leuchtendes Relief, das sich ringsum auf Drachenschuppen widerspiegelte: bei Temeraire ganz in Schwarz, bei den anderen in grellen Farben, die von dem gespenstisch blauen Licht zu verschiedenen Grauschattierungen abgedämpft wurden. Die Nacht war voller Schwingen, ein Dutzend Drachen drehte seine Köpfe, um zurückzuschauen, die leuchtenden Pupillen gegen die Helligkeit verengt. Alle waren über und über von Männern bedeckt, während eine Handvoll französischer Patrouillendrachen sie umschwirrte.
    All dies war nur einen Augenblick lang zu erkennen, bevor ein scharfes Krachen und Donnern ertönte; kurz darauf verlosch das Leuchtgeschoss, und alles versank wieder in Schwärze. Laurence zählte bis zehn und noch einmal bis zehn, aber immer noch kam keine Antwort von der Küste.
    Und wieder griffen die französischen Drachen, nun mit frischem Mut, an. Temeraire versuchte einen Schlag, der den winzigen Pou-de-Ciel vom Himmel hätte fegen sollen, doch er war zu langsam, da er keine weiteren seiner Mitreisenden abwerfen wollte. Mit verächtlicher Leichtigkeit wich der weitaus kleinere Gegner aus und drehte ab, um auf seine nächste Chance zu warten.
    »Laurence«, sagte Temeraire und sah sich um, »wo sind die anderen? Victoriatus befindet sich in Edinburgh; zumindest er sollte inzwischen hier sein. Schliesslich haben wir ihm geholfen, als er verletzt war. Obwohl ich natürlich eigentlich gegen diese kleinen Drachen keine Hilfe benötige«, fügte er hinzu, während er seinen Hals streckte, der vor Erschöpfung langsam hinabgesunken war. »Aber es ist einfach so mühsam, wenn man versucht zu kämpfen, während man so viele Leute transportiert.«
    Diese Beschreibung beschönigte die Situation zweifellos, denn sie konnten sich nicht einmal anständig verteidigen, und Temeraire trug dabei die Hauptlast. Längst blutete er aus vielen kleinen Schnittwunden am Bauch und den Flanken, die von der Mannschaft nicht verbunden werden konnten, weil sich überall Männer drängten.
    »Sorg einfach dafür, dass alle weiter in Richtung Küste fliegen.« Einen besseren Vorschlag hatte Laurence auch nicht. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass uns die Patrouille auch über Land verfolgen wird«, fügte er hinzu, doch Zweifel schwangen in seinem Ton mit, denn er hätte es sich auch nicht träumen lassen, dass eine französische Patrouille so nahe an die Küste herankommen konnte, ohne dass sich ihr jemand entgegenstellte. Wie er unter Feuer eintausend ängstliche und erschöpfte Männer absetzen sollte, wollte er sich im Moment lieber nicht vorstellen.
    »Ich versuche es ja«, entgegnete Temeraire erschöpft. »Wenn sie nur mal aufhören würden, sich auf Kämpfe einzulassen.« Dann wandte er sich wieder seinen Aufgaben zu. Durch die beständigen nadelstichartigen Attacken waren Arkady und seine kleine Schar wilder Gebirgsdrachen kurz davor, völlig ausser Kontrolle zu geraten. Ständig versuchten sie, sich mitten in der Luft herumzudrehen und den französischen Patrouillendrachen nachzujagen.
    Durch ihre Verrenkungen schüttelten sie mehr der bedauernswerten preussischen Soldaten von sich herunter, als es dem Feind durch seine Aktivitäten je hätte gelingen können. In ihrer Unachtsamkeit lag jedoch keine Boshaftigkeit. Menschen kannten die wilden Drachen höchstens als eifersüchtige Wächter von Vieh- und Schafherden. Für sie waren ihre Passagiere nicht mehr als eine ungewohnte Last, aber ob mit oder ohne Absicht - die Männer starben trotzdem. Nur durch ständige Wachsamkeit konnte Temeraire die Wilddrachen von diesem Verhalten abbringen. Im Moment stand er über ihnen in der Luft und trieb die anderen auf ihrem Flug mal mit Schmeicheleien, mal mit Drohungen an.
    »Nein, nein, Gherni«, rief er und schoss nach vorn, um der kleinen blauweissen Wilden einen Klaps zu versetzen. Sie hatte sich direkt auf den Rücken eines erschrockenen französischen Chasseur-Vocifere fallen lassen, einem Kurierdrachen von kaum vier Tonnen. Obwohl auch sie nur ein geringes Gewicht aufwies, konnte sich der Kurier nicht mehr in der Luft halten und sank trotz wilden Flügelschlagens in die Tiefe. Schon hatte Gherni ihre Zähne in den Nacken des französischen Drachen geschlagen und schüttelte ihn mit wilder Gewalt hin und her, doch gleichzeitig trampelten Preussen, die sich an ihrem Geschirr festklammerten, buchstäblich auf den Köpfen der gegnerischen Besatzung herum, doch sie waren so dicht gedrängt, dass beinahe jeder Schuss der Franzosen einen von ihnen tötete.
    Durch seine Bemühungen, sie loszureissen, war Temeraire ungedeckt, und der Pou-de-Ciel ergriff die neue Gelegenheit. Dieses Mal wagte er sogar einen Angriff gegen Temeraires Rücken. Seine Klauen schlugen so nahe bei Laurence zu, dass er das schwarze Blut auf den gekrümmten Kanten der Krallen des französischen Drachen glänzen sehen konnte, als dieser sich wieder erhob, während Laurence nutzlos eine Hand um seine Pistole schloss.
    »Oh, lassen Sie mich, lassen Sie mich!« Wutentbrannt zerrte Iskierka an den Fesseln, mit denen sie auf Temeraires Rücken festgebunden war. Das neugeborene Kazalik-Weibchen würde schon bald eine ernstzunehmende Bedrohung darstellen, im Moment jedoch - kaum einen Monat, nachdem sie aus der Schale geschlüpft war - war sie zu jung und ungeübt, um wirklich jemand anderem als sich selbst gefährlich zu werden. So gut es möglich war, hatten sie versucht, sie mit Ketten, Gurten und Vernunftappellen im Zaum zu halten. Letztere ignorierte sie jedoch schlichtweg, und obwohl sie in den letzten Tagen nur unregelmässig gefüttert worden war, hatte sie über Nacht fast zwei Meter an Länge zugelegt, sodass auch die Ketten und Riemen kaum noch etwas nützten.
    »Würdest du um Himmels willen bitte stillhalten?«, flehte Granby sie an. Verzweifelt warf er sein eigenes Gewicht gegen die Bänder, um ihren Kopf unten zu halten. Allen und Harley, die jungen Ausgucke, die auf Temeraires Schultern stationiert waren, mussten eilig aus dem Weg krabbeln, um nicht von Granby getroffen zu werden, der bei seinen Mühen stolpernd von einer Seite auf die andere gezogen wurde. Schnell löste Laurence seine Schnallen und stand auf. Die Füsse gegen die Kante der starken Muskeln am Ansatz von Temeraires Nacken gestemmt, gelang es ihm, Granby an dessen Geschirrgürtel zu fassen, als er durch Iskierkas Toben erneut vorbeigeschwungen wurde, sodass er endlich wieder Halt bekam. Trotzdem spannten sich die ledernen Gurte straff wie Violinsaiten und zitterten unter der Belastung.
    »Aber ich kann ihn aufhalten!«, beharrte Iskierka, während sie ihren Kopf zur Seite drehte, um sich loszureissen, und eifrige Flammenzungen leckten über ihre Lefzen, als sie erneut versuchte, nach dem feindlichen Drachen zu schnappen. Doch klein, wie er war, besass der Pou-de-Ciel noch immer das Vielfache ihrer Grösse und war viel zu erfahren, um sich von einem bisschen Feuer beeindrucken zu lassen. Er verspottete sie nur, indem er sich leicht zurückfallen liess und ihr mit einer Geste beleidigender Sorglosigkeit seinen gesamten, braun gesprenkelten Bauch als Ziel anbot.
    »Oh!« Zornig rollte sich Iskierka eng zusammen. Aus den dünnen, stacheligen Auswüchsen, die überall aus ihrem sehnigen Körper ragten, zischte Dampf. Dann sprang sie plötzlich mit einem mächtigen Ruck, der die ledernen Gurte so schmerzhaft aus Laurences Griff riss, dass er unwillkürlich die tauben Finger vor der Brust zusammenkrümmte, auf ihre Hinterbeine. Dabei war Granby in die Luft geschleudert worden und baumelte nun haltlos von ihrem breiten Halsband, während sie eine Flammenzunge ausstiess: Dünn und gelbweiss und so heiss, dass die Luft in ihrer Umgebung zu flimmern und auszudörren schien, leuchtete sie als grimmiges Banner am Nachthimmel.
    Aber der französische Drache hatte sich klugerweise vor dem Wind positioniert, der kräftig aus östlicher Richtung blies. Blitzschnell faltete er seine Flügel zusammen und liess sich nach unten fallen, sodass die glühenden Flammen gegen Temeraires Flanke zurückgeworfen wurden. Noch immer damit beschäftigt, Gherni in Flugrichtung zu drängen, stiess Temeraire einen überraschten Schrei aus und zuckte zurück, während gefährlich nah am Tragegeschirr aus Seide, Leinen und Seil Funken über die glänzende Schwärze seiner Haut hüpften.
    »Verfluchtes Untier! Wir werden noch alle verbrennen«, rief heiser einer der preussischen Offiziere, deutete auf Iskierka und tastete mit zitternder Hand in seinem Munitionsgürtel nach einer Patrone.
    »Genug dahinten!«, schrie Laurence ihn durch sein Sprachrohr an. »Weg mit der Pistole!« Gleichzeitig öffneten Leutnant Ferris und einige Männer der Rückenbesatzung eilig ihre Geschirrgurte und liessen sich herunter, um dem Offizier die Waffe aus der Hand zu ringen. Sie konnten den Mann jedoch nur erreichen, indem sie über die anderen preussischen Soldaten kletterten, deren Angst zwar zu gross war, um das Geschirr loszulassen, die ihr Vorankommen aber trotzdem auf jede mögliche Weise behinderten und mit grimmiger Ablehnung mit Ellenbogen und Hüften nach ihnen stiessen.
    In einiger Entfernung waren von hinten Befehle von Leutnant Riggs zu hören. »Feuer!«, rief er über das immer lautere Knurren der Preussen hinweg. Schweflig und bitter knatterte mit hellen Pulverblitzen eine Handvoll Gewehrschüsse, dann gab der französische Drache einen kleinen Schrei von sich und drehte ab. Sein Flug wirkte ein wenig unsicher, und Blut floss in dünnen Strömen aus einem Riss in seinem Flügel, wo durch einen glücklichen Zufall eine Kugel einen der dünneren Hautlappen in der Nähe der Gelenke getroffen hatte.
    Der Aufschub kam jedoch ein wenig zu spät, denn schon zogen sich einige Männer auf Temeraires Rücken und griffen nach der grösseren Sicherheit des Ledergeschirrs, in das die Flieger mit ihren Karabinergurten eingehakt waren. Aber das Geschirr konnte nicht das ganze Gewicht tragen, nicht von so vielen. Wenn die Schnallen aufrissen oder einzelne Gurte nachgaben und alles ins Rutschen geriete, würde es sich um Temeraires Flügel schlingen und sie alle gemeinsam in den Ozean stürzen lassen.
    Laurence lud seine Pistolen nach, steckte sie in sein Hüftband, lockerte seinen Degen und stand wieder auf. Willentlich hatte er ihrer aller Leben riskiert, um diese Männer aus einer Falle zu befreien, und wenn möglich wollte er sie sicher ans Ufer bringen. Doch er würde nicht dabei zusehen, wenn sie Temeraire durch ihre hysterische Angst in Gefahr brachten.
    »Allen, Harley«, wies er die zwei Jungen an. »Rennen Sie zu den Schützen, und richten Sie Mr. Riggs aus, dass er das gesamte Tragegeschirr losschneiden soll, wenn wir sie nicht aufhalten können, und achten Sie darauf, auf dem Weg festgehakt zu bleiben. John, vielleicht bleiben Sie lieber hier bei Ihrem Drachen«, fügte er hinzu, als Granby Anstalten machte, sich ihm anzuschliessen. Iskierka hatte sich zwar für den Moment beruhigt, als ihr Feind abgezogen war, doch sie schmollte noch immer und rollte sich unruhig zusammen und wieder auseinander, während sie enttäuscht vor sich hin murrte.
    »Oh, sicher!«, sagte Granby und zog seinen Degen. »So weit kommt es noch.« Seit er Iskierkas Kapitän geworden war, verzichtete er auf Pistolen, um das Risiko zu vermeiden, in ihrer Nähe mit offenem Pulver zu hantieren.
    Laurence war sich seiner Position nicht sicher genug, um einen Streit zu beginnen. Streng genommen war Granby nicht länger sein Untergebener, und was die Jahre in der Luft anging, war Granby von ihnen beiden derjenige mit der grösseren Erfahrung als Flieger. Während sie über Temeraires Rücken kletterten, setzte sich Granby mit einer Sicherheit an die Spitze, die nur ein Junge erlangen konnte, der schon mit sieben Jahren begonnen hatte, in der Luft zu trainieren. Um schneller voranzukommen, reichte Laurence bei jedem Schritt seinen Führungsgurt nach vorn, den Granby dann einhändig im Geschirr festhakte.
    Gleichzeitig versuchte Granby, während er in seinen Geschirrgurten hing, einen sicheren Stand für seine Füsse zu finden. Wie eine Krabbe kletterte Laurence zu ihm hinüber und reichte ihm einen Arm. Blass konnte er unter sich bereits die wässrige Gischt auf dem dunklen Meer erkennen. Je näher sie der Küste kamen, desto tiefer flog Temeraire.
    »Dieser verfluchte Pou-de-Ciel kommt schon wieder«, keuchte Granby, als er endlich auf den Beinen stand. Auch wenn der viel zu grosse, weisse Flicken ungeschickt angebracht war, hatten die Franzosen es irgendwie geschafft, einen Verband über dem Riss im Flügel des Drachen zu befestigen. Zwar flog der Pou-de-Ciel noch immer ein wenig unsicher, näherte sich aber trotzdem entschlossen. Bestimmt hatten die Franzosen gesehen, dass Temeraire verwundbar war. Wenn der Pou-de-Ciel es schaffte, das Geschirr zu ergreifen und loszuziehen, würden sie vorsätzlich das Werk vollenden, das die Soldaten in ihrer Panik begonnen hatten. Für die Gelegenheit, ein Schwergewicht, dazu noch ein so wertvolles wie Temeraire, zur Strecke zu bringen, würden die Franzosen sicher bereit sein, auch ein grosses Risiko einzugehen.
    Leise und niedergeschlagen sagte Laurence: »Wir müssen die Soldaten losschneiden.« Er sah nach oben, wo die Trageschlingen am Leder befestigt waren. Mehr als einhundert Männer zum Tode zu verurteilen, wenige Minuten bevor sie in Sicherheit waren - er wusste nicht, ob er das ertragen konnte, geschweige denn, ob er nach der Tat General Kalkreuth je wieder würde gegenübertreten können. Einige der jungen Adjutanten des Generals waren an Bord Temeraires und taten ihr Bestes, die anderen Männer ruhig zu halten.
    Riggs und die Schützen feuerten hastig einige kurze Salven ab, während der Pou-de-Ciel gerade eben ausser Reichweite blieb und auf den besten Moment für seine Attacke wartete. Dann richtete sich Iskierka plötzlich auf und spie einen weiteren Feuerstrahl. Zwar flog Temeraire diesmal mit dem Wind, sodass die Flammen nicht wieder auf ihn zurückgelenkt wurden, doch die Männer auf seinem Rücken mussten sich sofort ducken, um der Feuersbrunst zu entgehen, die noch dazu so schnell ausbrannte, dass sie den französischen Drachen nicht einmal erreichte.
    Während Temeraires Mannschaft noch beschäftigt war, jagte der Pou-de-Ciel bereits wieder heran. Iskierka sammelte Kraft für einen neuen Feuerstoss, und so konnten sich die Schützen nicht wieder aufrichten. »Gütiger Himmel«, sagte Granby, doch bevor der Angreifer sie erreichte, donnerte ein tiefes Grollen durch die Nacht, und unter ihnen klafften unter Rauch und Pulverblitzen kleine, rote Münder: Küstenbatterien, die vom Ufer her das Feuer eröffneten. Im Lichte von Iskierkas Feuerstrahl flog eine vierundzwanzigpfündige Kanonenkugel an ihnen vorbei und traf den Pou-de-Ciel mitten in die Brust. Wie Papier faltete er sich um sie zusammen, als sie seine Rippen durchschlug, und stürzte als unkenntliches Knäuel auf die Felsen unter ihnen. Endlich! Sie waren über der Küste, über dem Festland, und unter ihnen flohen Schafe in dichter Winterwolle über das schneefeuchte Gras.

    Eine unnatürliche Ruhe herrschte in den verlassenen Strassen von Edinburgh, nur die Drachen schliefen in langgezogenen Reihen auf dem alten, grauen Kopfsteinpflaster. Auch Temeraire hatte seine gewaltige Masse mühevoll vor der vom Rauch geschwärzten Kathedrale ausgebreitet und den Schwanz in eine Gasse gelegt, die kaum breit genug war, ihn aufzunehmen. Als Laurence zu den Toren der Burg emporstieg, war der Himmel klar, kalt und sehr blau. Nur eine Handvoll flacher Wolken wehte in Richtung Meer, wo sich in rosa und orangefarben eine schwache Ahnung der Morgendämmerung zeigte.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Klappenbroschur
Seitenzahl 506
Altersempfehlung 12 - 15
Erscheinungsdatum 07.04.2008
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-26572-5
Verlag Blanvalet
Maße (L/B/H) 18.3/12.7/4 cm
Gewicht 433 g
Originaltitel Temeraire 04. Empire of Ivory
Abbildungen schwarzweisse Abbildungen
Übersetzer Marianne Schmidt
Verkaufsrang 23139
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
7 Bewertungen
Übersicht
6
1
0
0
0

Auf zum Kap der guten Hoffnung
von einer Kundin/einem Kunden am 01.02.2018

Dieses mal müssen Will und Temeraire sich einer unüblichen Gefahr stellen, einer Seuche die sich in ganz England unter den Drachen ausbreitet! So heißt es nicht nur ein neues Abenteuer welches sich am Kap der guten Hoffnung in Südafrika abspielt, nein es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, da die englischen Drachen sterben und die... Dieses mal müssen Will und Temeraire sich einer unüblichen Gefahr stellen, einer Seuche die sich in ganz England unter den Drachen ausbreitet! So heißt es nicht nur ein neues Abenteuer welches sich am Kap der guten Hoffnung in Südafrika abspielt, nein es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, da die englischen Drachen sterben und die Gefahr durch Napoleon nicht gebannt ist. Eine tolle Fortsetzung der ersten Teile von Die Feuerreiter seiner Majestät!

Super Buchband!
von einer Kundin/einem Kunden aus Kornwestheim am 07.10.2015
Bewertet: Einband: Klappenbroschur

Einfach fabelhaft wie Naomi Novik alles beschreibt, überhaupt sind alle Bände so geschrieben und an die Fergangenheit angepasst das man meinen könnte das alles ist wirklich passiert.

Drachenglanz
von CarineM am 25.08.2012
Bewertet: Einband: Klappenbroschur

DIe englischen Drachen sind in Gefahr. Eine schreckliche Krankheit ist ausgebrochen, viele sind bereits gestorben. Nur Temeraire bleibt unerklärlicherweise gesund. Deshalb erhalten er und sein Reiter Laurence einen wichtigen Auftrag. Sie müssen nach Afrika reisen und ein Gegenmittel finden. Es eilt, denn auch einige von Temerair... DIe englischen Drachen sind in Gefahr. Eine schreckliche Krankheit ist ausgebrochen, viele sind bereits gestorben. Nur Temeraire bleibt unerklärlicherweise gesund. Deshalb erhalten er und sein Reiter Laurence einen wichtigen Auftrag. Sie müssen nach Afrika reisen und ein Gegenmittel finden. Es eilt, denn auch einige von Temeraires Freunden sind krank. Ihre Reise führt sie ins Herz Afrikas, an Orte, die auf der Karte nichts weiter sind, als weisse Flecken. Dieses Buch ist ebenso faszinierend, wie die 3 vorherigen. Es bringt einem in die Zeit der Entdecker, im noch unberührten Afrika. Laurence und Temeraire sind wundervolle Hauptpersonen. Ich finde es fantastisch, wie ausgeglichen der Anteil der Menschen und der Drachen ist. Man erfährt die Gefühle und Beziehungen beider. Nichts wird vernachlässigt. Dadurch ist das Buch aber auch recht lang und wenn man die ganze Serie lesen will braucht das schon etwas Zeit. Jedes Buch umfasst etwa 500 Seiten, dennoch ist jede Seite spannend.