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Der Name des Windes. Erster Tag

Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Phantastik Preis: Bester Roman International 2009

Die Königsmörder-Chronik Band 1

Prolog. Eine dreistimmige Stille
Es war wieder Abend geworden. Das Wirtshaus zum Wegstein lag still da, und es war eine dreistimmige Stille.
Die vernehmlichste der dreifachen Stille war dumpf und lastend und verdankte sich dem, was fehlte. Hätte ein Wind geweht, so hätte er in den Bäumen geseufzt, hätte das Wirtshausschild quietschend zum Schaukeln gebracht und die Stille wie trudelndes Herbstlaub die Strasse hinabgeweht. Wäre das Wirtshaus gut besucht gewesen, hätten sich dort auch nur eine Handvoll Männer aufgehalten, so hätten sie die Stille mit Geplauder und Gelächter erfüllt, mit dem Radau und Bohei, den man in dunklen Abendstunden in einer Schenke erwartet. Wäre Musik erklungen ... aber nein, natürlich erklang keine Musik. All das fehlte, und so blieb es still.
Im Schankraum sassen zwei Männer an einem Tresenende beieinander. Sie tranken mit stiller Entschlossenheit und mieden ernsthafte Gespräche über beunruhigende Neuigkeiten. Und indem sie das taten, fügten sie der grossen, dumpfen Stille eine kleine, mürrische hinzu. Daraus entstand eine Art Legierung, ein Kontrapunkt.
Die dritte Stille war weit weniger vernehmlich. Hätte man eine Stunde lang gelauscht, so hätte man vielleicht begonnen, sie im Dielenboden des Raumes oder in den Holzfässern hinterm Tresen zu erahnen. Sie lag in der steinernen Masse des schwarzen Kamins, der noch die Wärme eines erloschenen Feuers barg. Sie lag im langsamen Hin und Her eines weissen Leinentuchs, das die Maserung des Tresens entlangfuhr. Und sie lag in den Händen des Mannes, der dort stand und eine Mahagonifläche polierte, die bereits im Lampenschein glänzte.
Der Mann hatte leuchtend-, ja flammenrotes Haar. Seine Augen blickten dunkel und abwesend, und er bewegte sich mit einer Sicherheit, die sich aus vielfältigem Wissen speiste.
Das Wirtshaus gehörte ihm, wie ihm auch die dritte Stille gehörte. Und das war nur recht und billig so, denn sie war die grösste der dreifachen Stille und schloss die anderen ein. Sie war so tief und so weit wie der Spätherbst. Sie wog so schwer wie ein grosser, vom Fluss glatt geschliffener Stein. Es war der geduldige, schnittblumenhafte Laut eines Mannes, der darauf wartet zu sterben. (...)
Minus drei Talente
(Kvothe der Magier erzählt von seiner Aufnahmeprüfung auf die arkanische Universität)
Die Universität lag im Zentrum einer kleinen Stadt. Diese Stadt war jedoch ganz anders als Tarbean mit seinen gewundenen Gassen und dem ewigen Abfallgestank. Es war eher ein schmuckes Städtchen, die Strassen waren breit und die Luft rein. Zwischen den kleinen Häusern erstreckten sich Rasenflächen und Gärten.
Doch da diese Stadt ganz den Bedürfnissen der Universität diente, stachen einige Besonderheiten ins Auge. So gab es hier beispielsweise zwei Glasbläsereien, drei bestens bestückte Apotheken, zwei Buchbindereien, vier Buchhandlungen, zwei Bordelle und eine wirklich unverhältnismässig grosse Zahl von Schenken. Eine hatte am Eingang ein grosses Holzschild mit der Aufschrift "KEINE SYMPATHIE!" Ich fragte mich, was nicht-arkane Gäste wohl von dieser Mahnung halten mochten.
Als ich auf die Bibliothek zuschritt, erinnerte mich das Haus mit seiner grauen, fensterlosen Fassade an einen riesigen Graustein. Nach all den Jahren des Wartens konnte ich es kaum glauben, dass ich dort war. Ich ging um das Gebäude herum, bis ich den Eingang fand, ein massives Steintor, das weit offen stand. Darüber, tief in den Stein gemeisselt, standen die Worte Vorfelan Rhinata Morie . Die Sprache war mir unbekannt. Es war kein Siaru ... vielleicht Yllisch oder Temisch. Noch eine weitere Frage, die es zu beantworten galt.
Hinter dem Steintor gelangte man in einen Vorraum mit einer Holztür. Ich zog sie auf, und ein kühler, trockener Lufthauch streifte mich. Die Wände waren aus nacktem, grauem Stein, und ein gleichmässiges, rötliches Licht von Sympathie-Lampen breitete sich im Raum aus. Auf einem grossen, hölzernen Schreibtisch lagen etliche grosse Registrierbücher, die aufgeschlagen waren.
Hinter dem Schreibtisch sass ein junger Mann, der nach einem waschechten Kealden aussah. Er hatte die charakteristische rötliche Gesichtsfarbe, dunkles Haar und dunkle Augen.
"Kann ich dir helfen?", fragte er mit schnarrendem Siaru-Akzent.
"Ich möchte in die Bibliothek", sagte ich. Ich hatte ein Hochgefühl im Bauch, und meine Handflächen waren feucht.
Er musterte mich, versuchte offenbar mein Alter einzuschätzen. "Bist du Student?"
"Angehender", sagte ich. "Ich muss nur noch die Zulassungsprüfung absolvieren."
"Das musst du zuerst erledigen", erwiderte er streng. "Ich kann hier niemanden hereinlassen, der nicht eingeschrieben ist." Er wies auf die Registrierbücher.
Das Hochgefühl fiel in sich zusammen. Ich machte mir nicht die Mühe, meine Enttäuschung zu verhehlen. "Darf ich mich nicht wenigstens ein paar Minuten umsehen? Ich komme von sehr weit her ..." Ich sah zu den beiden Flügeltüren hinüber, die aus dem Raum hinausführten. Die eine war mit PRÄSENZ beschriftet, die andere mit MAGAZIN. Hinter dem Pult gab es noch eine kleinere Tür mit der Aufschrift NUR FÜR PERSONAL.
Sein Miene milderte sich ein wenig. "Nein, das geht nicht. Das würde Ärger geben." Er musterte mich erneut. "Willst du wirklich die Zulassungsprüfung absolvieren?"
Ich nickte. "Ich wollte bloss vorher noch hierher kommen", sagte ich und sah mich in dem ansonsten leeren Raum um; ich betrachtete die geschlossenen Türen und überlegte, wie ich ihn dazu bringen konnte, mir Zutritt zu gewähren.
Bevor mir etwas einfiel, ergriff er wieder das Wort. "Wenn du das wirklich willst, solltest du dich sputen. Heute ist der letzte Tag. Und manchmal machen sie schon mittags Schluss."
Mein Herz pochte. Ich war davon ausgegangen, dass die Prüfungen den ganzen Tag stattfanden. "Wo muss ich hin?"
"Hollows." Er wies zum Ausgang. "Links entlang. Ein flaches Gebäude mit ... bunten Fenstern. Zwei grosse ... Bäume davor." Er hielt inne. "Ahorn? Heissen die so?"
Ich nickte, eilte hinaus und lief die Strasse hinab.
Zwei Stunden später betrat ich aufgeregt die Bühne eines Theatersaals in Hollows. Der Raum war abgedunkelt, nur auf den Tisch der Meister fiel Licht. Ich trat an den Rand dieses Lichtkreises und wartete. Die Gespräche der neun Meister verstummten allmählich, und sie fassten mich in den Blick. (...)

Rezension
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de: In den USA als bestes Fantasybuch des Jahres ausgezeichnet, auch bei uns auf die Bestsellerliste gestürmt. "Der Name des Windes" setzt Maßstäbe - heroisch, gewaltig, bombastisch. Eine eindringliche Bilderflut. Eine spektakuläre Geschichte. Ein Fantasy-Hochgenuss! Zugleich Auftakt der Trilogie "Die Königsmörder-Chronik".
Portrait
Patrick Rothfuss, geboren 1973 in Wisconsin, unterrichtet als Englisch-Dozent am Stevens Point College in Wisconsin. Die ersten beiden Bände der Königsmörder-Chronik wurden weltweit bei Kritikern und Fantasylesern begeistert aufgenommen und belegten schon bald die vorderen Plätze der Bestsellerlisten.

2007 wurde Patrick Rothfuss für seinen Roman »Der Name des Windes« mit dem Quill Award sowie dem Pulishers Weekly Award für das beste Fantasy-Buch des Jahres ausgezeichnet, 2009 hat das Buch den Deutschen Phantastik Preis als bester internationaler Roman erhalten.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 864
Erscheinungsdatum 29.07.2018
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-608-93815-9
Verlag Klett Cotta
Maße (L/B/H) 21.9/15.1/5.8 cm
Gewicht 1104 g
Originaltitel The Name of the Wind
Auflage 24. Auflage
Übersetzer Jochen Schwarzer
Verkaufsrang 4215
Buch (gebundene Ausgabe)
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Buchhändler-Empfehlungen

Mitreissend

Denny Engel, Thalia-Buchhandlung Bern

Nun habe auch ich endlich den zweiten neuen Stern am Fantasy - Himmel , namentlich Patrick Rothfuss, gelesen :) (Der andere wäre Peter V. Brett :D) Und ich muss sagen, die vielen Komplimente und begeisterten Rezensionen haben nicht zu viel versprochen. Die Geschichte ist spannend und sehr gut erzählt (Kvothe ist wirklich ein toller Geschichtenerzähler ;D) und man hat wirklich Spass beim Lesen. Die gut ausgearbeitete Welt erlaubt ein tiefes Eintauchen und man kommt so schnell nicht mehr davon weg :) Definitv lesenswerte Fantasy und auch für Menschen geeignet die Fantasy nicht so mögen (kann ich persönlich bestätigen, da solche Kolleginnen von mir es auch super fanden :D)

Creme de la Creme der Fantasy-Literatur

Sandra Wittwer, Thalia-Buchhandlung Winterthur

Ich habe, zugegebenermassen, meine ersten hundert Seiten gebraucht bis ich mit der Geschichte warm geworden bin, aber was danach kam war das reinste Fegefeuer, ich habe förmlich gebrannt vor Begeisterung. Für mich ist „Der Name des Windes“ das beste Fantasy-Buch der letzten Jahre. Wieso eigentlich? Ich glaube Rothfuss hat ein Buch geschrieben, welches jeder lesen kann und ganz wichtig; jeden begeistern kann. Er benutzt zwar klassische Fantasyelemente, aber sein Buch lebt von viel mehr; denn es lebt von diesem kleinen Jungen, der einmal der grösste Magier seiner Zeit werden wird. Möchten Sie wirklich ein gutes Buch (wenn nicht eines der besten) lesen? Dann lesen Sie „Der Name des Windes“!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
174 Bewertungen
Übersicht
162
8
2
1
1

von einer Kundin/einem Kunden am 07.06.2019
Bewertet: anderes Format

Ein wunderschöner Schreibstil trifft auf eine faszinierende Geschichte mit perfekt geschriebenen Figuren. Für mich persönlich eines der besten Fantasybücher aller Zeiten.

Fantasy pur
von einer Kundin/einem Kunden aus Wien am 29.05.2019

Auch wenn das Buch sehr dick ist und die Handlung nur langsam voran kommt, fehlt es nie an Spannung und Lesefluss. Ein Genuss für jeden Fantasy-Fan mit etwas Anspruch!!!

Episch!
von Carina Roth aus Wilhelmshaven am 04.05.2019

Kvothe, Arkanist, Musiker und Wirt, verschlingt einen mit seinen Abenteuern mit Haut und Haar. Patrick, Autor, Leser und Vater, schreibt so faszinierend wie sonst keiner. Ein Muss für jeden Fantasy-Fan!