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Forellenquintett / Kommissar Berndorf Bd.6

Roman

Kommissar Berndorf Band 6

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Taschenbuch

Die enthauptete Leiche einer Frau. Ein Mann ohne Vergangenheit. Ein verschollener Junge.

Kriminalkommissarin Tamara Wegenast, Nachfolgerin des pensionierten Kommissar Berndorf, ermittelt in ihrem bislang schwierigsten Fall. Und muss gleichzeitig um ihr eigenes Leben fürchten: Seit Wochen wird sie mit Drohbriefen überschüttet, als deren Verfasser ein Kai Habrecht firmiert. Doch der ist tot, und zwar seit Jahren – Wegenast selbst hat ihn erschossen ...

Hochspannung vom Deutschen Krimipreisträger Ulrich Ritzel.

Portrait
Ulrich Ritzel, geboren 1940, aufgewachsen auf der Schwäbischen Alb, arbeitete mehr als drei Jahrzehnte als Journalist und wurde 1980 mit dem Wächterpreis der deutschen Tagespresse ausgezeichnet. Mit dem Roman „Der Schatten des Schwans“ debütierte er 1999 als freier Autor. Aus der Reihe seiner Romane um den Kommissar Berndorf erhielten „Schwemmholz“ und „Beifang“ den Deutschen Krimi-Preis, „Der Hund des Propheten“ den Preis der Burgdorfer Krimi-Tage. Ulrich Ritzel lebt mit seiner Ehefrau Susanne und seinen beiden Hunden seit 2008 in der Schweiz.

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  • enstag, 27. September

    Aus dem Schatten, den die Morgensonne in die H¿erschluchten warf, rollte eine blaue Tramwaj, ruckte ¿ber eine Weiche und nahm wieder Fahrt auf. Dem Mann, der mit einer Plastikt¿te in der einen Hand stehen geblieben war und mit der anderen die Augen abschirmte, kam es so vor, als liefen die Waggons auf ungew¿hnlich kleinen R¿rn, wie Raupenfahrzeuge, die enge Kurven und steile Rampen ¿berwinden m¿ssen. Die Haltestelle war nur f¿nfzig Meter entfernt. Wenn er sich beeilte, w¿rde er sie noch rechtzeitig erreichen und mitfahren k¿nnen, vielleicht bis zur Endstation, irgendwo da drau¿n zwischen Abraumhalden und Schrottpl¿en m¿sste eine geeignete Stelle zu finden sein.
    Aber er wollte nicht rennen. Nicht mit der Plastikt¿te und dem Ding darin, das ihm gegen die Beine schlagen w¿rde. Au¿rdem hatte er kein Bilet. Soviel er wusste, h¿e er sich vorher eins in einem Tabak- oder Zeitungsladen kaufen m¿ssen. Die Stra¿nbahn hielt, ein paar Leute stiegen aus, darunter zwei Frauen, die nun auf ihn zukamen, mit kleinen energischen Schritten, und als sie an ihm vorbei waren, folgte ihnen der Mann, weil es offenkundig einen vern¿nftigen und unverd¿tigen Grund gab, diese Richtung zu nehmen.
    In der Nacht hatte es geregnet, und noch immer roch es, als sei ein Teil des Staubs und der Abgase aus der Luft herausgewaschen. Zumindest schienen die Bewohner der Stadt es so zu empfinden, denn sie hatten ihre altersschwarzen Wohnblocks verlassen, ¿berall sah er Leute, alte und junge, gebrechliche, gleichg¿ltige oder solche, deren Gesicht Misstrauen verbergen mochte.
    Es ist l¿erlich, dachte der Mann, dem die Plastiktr¿r in die
    Hand schnitten, aber seit dem Fr¿hst¿ck war er unterwegs und hatte nirgendwo einen Platz gefunden, an dem er es gewagt h¿e, die T¿te abzustellen. Dabei war es eine T¿te wie hunderttausend andere auch, von einer Hamburger-Kette ausgegeben, deren gelbroter Schriftzug deutlich zu sehen war, ziemlich genau an der Stelle, an der sich die Plastikfolie ¿ber einer W¿lbung spannte. Vor einer halben Stunde noch hatte er sich damit getr¿stet, wie komisch es sein w¿rde, wenn er von seiner Irrfahrt erz¿en k¿nnte, seiner Odyssee durch die staubigen, von Schlagl¿chern ¿bers¿n Stra¿n der Stadt, auf der Suche nach einer Ruine, von denen es doch genug geben musste, oder auch nur nach einem abseits gelegenen M¿llbeh¿er, und wie er sich dabei immer genauer, immer hartn¿iger beobachtet f¿hlte, bis er schlie¿ich begriff, dass es nicht allein die Menschen auf der Stra¿ waren, denen er sich ausgeliefert f¿hlte.
    Wirkliche Gefahr droht von dem, den man nicht sieht, der vielleicht nur aus einem Fenster sp¿, hinter einem Vorhang verborgen. Es gab unz¿ige Fenster in dieser Stadt, mit Gardinen oder bunten Vorhanglappen drapiert und dicht an dicht in die staubgrauen Mauern gestanzt, als bohrten sich hunderttausend Augen in seinen Nacken, aber wer glaubt einem das? Die beiden Frauen vor ihm bogen nach links ab, die ¿ere der beiden trug einen mausgrauen Mantel mit einem mausgrauen Pelzkr¿lchen und ging etwas schneller als die andere, die j¿nger war und schwerf¿iger, die breiten H¿ften in Jeans gezw¿t. Der Mann blieb etwas zur¿ck. Vor einem Motorradladen mit schweren japanischen Maschinen waren zwei Tische und die Plastikst¿hle dazu auf das Trottoir gestellt, an einem der Tische sa¿n zwei Burschen in Lederjacken und r¿lten ihre Beine ¿ber den Gehsteig, die Bierdosen vor sich, und musterten ihn, fast belustigt, als sei etwas komisch daran, wie er hinter den Frauen herlief und ihm die rot und gelb bedruckte Plastikt¿te neben den Knien baumelte. Aus dem Laden dr¿hnte ein Lautsprecher, fast ger¿hrt erkannte der Mann den alten Seelenfeger ¿Bobby McGee¿, und es war wirklich und wahrhaftig die Stimme von Janis Joplin, wie sch¿n, dass es eben auch Lieder mit Worten gab, wenn man sie nur singen konnte. F¿r einen Augenblick ¿berlegte er, stehen zu bleiben und den Biertrinkern zuzunicken, wie jemand, der gerade genug Zeit hat, sich an einem guten alten Lied zu erfreuen, aber im gleichen Atemzug verscheuchte er den Gedanken wieder, dies war kein Morgen f¿r den Austausch von Sentimentalit¿n, schon gar nicht mit Leuten, die die Zeit und das Geld ¿brig hatten, sich vormittags vor einer Kneipe herumzudr¿cken.
    Nicht mit mir, dachte der Mann und ging weiter, z¿gig tat er das, aber nicht so schnell, dass es irgendjemandem h¿e auffallen k¿nnen, dann bog auch er ab, hinter sich h¿rte er die beiden Biertrinker auflachen, er geriet in eine Seitenstra¿, an deren Ende eine ru¿eschw¿te, geduckte Kirche stand, mit einem k¿mmerlichen neogotischen Aufsatz, der gerne so getan h¿e, als sei er ein himmelhoch ragender Turm.
    Du bist Betschwestern nachgelaufen, dachte der Mann, das h¿est du eigentlich etwas fr¿her merken k¿nnen, in diesem Land musst du mit so etwas rechnen. Fast zu sp¿bemerkte er, dass ihm ein Passant mit einem Hund entgegenkam, der Hund trug einen Maulkorb, aber trotzdem wechselte er rasch ¿ber die Fahrbahn auf die andere Stra¿nseite. Hunde hatte er noch nie leiden k¿nnen und das Geschn¿ffel schon gar nicht, was hast du da, was riecht da so? Die Fahrbahn war an manchen Stellen mit grobem Klinker gepflastert, und an anderen war sie asphaltiert, es sah aus, als sei die Stra¿ niemals neu gewesen, sondern immer nur ausgebessert worden.
    Er sah sich um und nahm die Plastikt¿te in die andere Hand. Der Mann mit dem Hund war um die Ecke gebogen. Niemand schien ihn zu beachten. Die beiden Frauen hatten das Kirchenportal erreicht und verschwanden darin, zuerst die eine im M¿elchen hineingehuscht, dann die andere nachgewalzt. Das Fragment eines Bibelspruchs tauchte aus seiner Erinnerung auf, wie von einem Suchscheinwerfer erfasst, irgendetwas von M¿hseligen und Beladenen, das Fragment verschwand wieder und machte einem Gedanken Platz.
    An Rabatten und vom Regen gr¿n gewaschenen Hecken vorbei kam er zum Portal, stie¿die Kirchent¿r auf und schob einen erstickend muffigen Vorhang zur Seite.

    Die Frau, die die T¿r des Appartementhauses aufgezogen hatte und nun auf der Schwelle stehen blieb, war gro¿und schlank und hatte langes, dunkles, von einer einzelnen grauen Str¿e durchzogenes Haar. Ihre rechte Hand steckte in der Tasche eines ausgebeulten grauen Jacketts mit Fischgr¿uster, mit der linken Hand hielt sie die T¿r ge¿ffnet, w¿end sie sich drau¿n umsah. In einigen, wenigen Briefk¿en steckten Zeitungen, Post war noch nicht gekommen, aber das ging sie nichts an, denn sie hatte schon vor Wochen ihren Briefkasten zugeklebt und das Namensschild entfernt.
    Auf den ¿berdachten Vorplatz neben den Briefk¿en hatte der Wind ein paar Bl¿er geweht. Sonst lag da nichts, nicht an diesem Morgen. Schlie¿ich hatte die Frau genug gesehen, sie ging an der hoch gemauerten Gartenb¿schung vorbei zur Stra¿. Wieder blieb sie stehen. Die meisten Wagen, die entlang der Stra¿ geparkt waren, kannte sie. Auch die anderen waren nicht auff¿ig, keine Nummernschilder mit der Zahl 88, aber was hie¿das schon!
    Der Morgen versprach einen sch¿nen Sp¿ommertag, wenn sich der Nebel ¿ber der Stadt erst aufgel¿st haben w¿rde. An der Bushaltestelle wartete ein einzelner Mann, rauchend, unf¿rmig dick, und warf ihr einen vorwurfsvollen Blick zu. Der Bus, der von der Universit¿kam und zum Hauptbahnhof fuhr, war p¿nktlich und fast leer. Der Dicke nahm einen letzten Zug aus der Zigarette, ehe er sie wegwarf und schnaufend das Trittbrett erklomm.
    Die Frau wartete, bis er seinen K¿rper vollends in den Fahrgastraum gew¿t hatte, und folgte ihm dann. Im Bus sa¿n ein paar Frauen und zwei oder drei Rentner. Sie setzte sich nicht, sondern blieb an der Ausstiegst¿r stehen.
    Nach zwei Stationen, am Theater, verlie¿sie den Bus, ¿berquerte die Kreuzung und nahm den Weg durch die Gassen in Richtung M¿nster, dessen Umrisse allm¿ich aus dem Nebel hervortraten. Das sah sie freilich erst, als sie durch eine Passage auf den M¿nsterplatz selbst gelangte.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 383
Erscheinungsdatum 02.06.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-73837-3
Verlag btb
Maße (L/B/H) 19/12/2.8 cm
Gewicht 320 g
Verkaufsrang 95076
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Durchschnitt
5 Bewertungen
Übersicht
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Hochspannung
von Brigitte Bouman-Mengering aus Lingen (Ems) am 02.01.2011

Kommissarin Wegenast muss ihre Fälle nun ohne Berndorf lösen. Aber sie hat gut gelernt.Drei scheinbar nicht zusammenhängende Todesfälle finden im Laufe der Ermittlung zusammen.Auch in ihrem Privatleben muss sie mit massiver Bedrohung klarkommen.Mit viel Fingerspitzengefühl und Menschennähe werden die Protagonisten beschrieben.Ei... Kommissarin Wegenast muss ihre Fälle nun ohne Berndorf lösen. Aber sie hat gut gelernt.Drei scheinbar nicht zusammenhängende Todesfälle finden im Laufe der Ermittlung zusammen.Auch in ihrem Privatleben muss sie mit massiver Bedrohung klarkommen.Mit viel Fingerspitzengefühl und Menschennähe werden die Protagonisten beschrieben.Ein Krimi,der unter die Haut geht und Lust auf mehr macht.

Das Quintett
von Stefanie Strachotta aus Berlin am 30.10.2010

Dies ist der sechste Krimi von Ulrich Ritzel. Diesmal ermittelt Tamara Wegenast, die etwas herbe Kommissarin zunächst in Polen. Die Spuren führen jedoch nach Aeschenhorn, einer kleinen Stadt in der Nähe von Friedrichshafen. Gleichzeitig existiert ein zweiter und dritter Handlungsstrang. Der eines aus Polen kommenden Mannes, üb... Dies ist der sechste Krimi von Ulrich Ritzel. Diesmal ermittelt Tamara Wegenast, die etwas herbe Kommissarin zunächst in Polen. Die Spuren führen jedoch nach Aeschenhorn, einer kleinen Stadt in der Nähe von Friedrichshafen. Gleichzeitig existiert ein zweiter und dritter Handlungsstrang. Der eines aus Polen kommenden Mannes, über dessen Namen der Autor zunächst schweigt. Er wird zusammengeschlagen und erholt sich dann in einer psychiatrischen Klinik, wo er vermeidet zu sprechen und so tut als könne er es auch nicht mehr. Auch der Leser ist, ebenso wie die Menschen im Roman um ihn herum, im Unklaren darüber, ob der namenlose Herr nun Pole oder Deutscher ist. Das finde ich übrigens sehr gut gemacht! Handlungstrang Nummer drei zeigt das Ehepaar Jehle, deren Sohn vor siebzehn Jahren spurlos verschwand. Wie passt das alles zusammen? Nun, das tut es auf jeden Fall! Aber lesen Sie selbst. Ein spannender Krimi, aber es geht noch besser. Trotzdem empfehlenswert!

Sehr spannend
von Kerstin Steinert aus Cottbus am 19.03.2010

Was haben die enthauptete Leiche einer Frau in Krakau, ein Mann, welcher unter Gedächtnisverlust leidet und ein verschollener Junge vom Bodensee gemeinsam? Kriminalkommissarin Tamar Wegenast steht vor einem sehr schweren Fall, den sie zum ersten Mal ohne ihren alten Kollegen Berndorf lösen muss. Zudem bekommt sie plötzlich Dr... Was haben die enthauptete Leiche einer Frau in Krakau, ein Mann, welcher unter Gedächtnisverlust leidet und ein verschollener Junge vom Bodensee gemeinsam? Kriminalkommissarin Tamar Wegenast steht vor einem sehr schweren Fall, den sie zum ersten Mal ohne ihren alten Kollegen Berndorf lösen muss. Zudem bekommt sie plötzlich Drohbriefe, deren Absender eigentlich seit zwei Jahren tot sein sollte, da sie ihn selber erschossen hat……… Ulrich Ritzel hat, mit Forellenquintett, wieder einen spannungsgeladenen und vielschichtigen Krimi geschrieben. Sehr empfehlenswert!