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Das Schatten-Prinzip

Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite

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gebundene Ausgabe

Eine faszinierende Reise in das Schattenreich der Seele

Nach C.G. Jung ist der Schatten das gesamte Unbewusste. Er ist das Wesen, das wir lieber nicht wären, letztendlich aber doch werden müssen, um zur Ganzheit zu gelangen. Insofern empfinden wir den Schatten, bzw. unsere »dunkle Seite«, äusserst zwiespältig: Er stösst uns ab und fasziniert zugleich. Arbeit mit dem Schatten dient der Bewusstwerdung und ist im wahren Sinn des Wortes Lichtarbeit.

Ruediger Dahlke zeigt in seinem aktuellen Buch, wie wir den eigenen Schatten aufspüren und konfrontieren, um ihn schliesslich annehmen und integrieren zu können. Wer sich auf die hier vorgestellte Schattenarbeit einlässt, wird offener, freundlicher und toleranter – sich selbst und anderen gegenüber.

Ausstattung: CD

Portrait
Dr. med. Ruediger Dahlke arbeitet seit 37 Jahren als Arzt, Autor und Seminarleiter. Mit Büchern von „Krankheit als Weg“ bis „Krankheit als Symbol“ begründete er seine ganzheitliche Psychosomatik, die bis in mythische und spirituelle Dimensionen reicht. Die Buch-Trilogie „Schicksalsgesetze“, „Schattenprinzip“ und „Lebensprinzipien“ bildet die philosophische und praktische Grundlage seiner Arbeit. Ruediger Dahlke nutzt seine Seminare und Vorträge, um die Welt der Seelenbilder zu beleben und zu eigenverantwortlichen Lebensstrategien anzuregen.

Sein Ziel, ein Feld ansteckender Gesundheit aufzubauen, spiegelt sich in Büchern wie „Peace-Food“ und „Buch der Widerstände“, aber auch in der Verwirklichung des Seminarzentrums TamanGa in der Südsteiermark. Hier lebt er seit 2012.
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    Die Auss¿hnung mit dem eigenen Schattenreich ist das h¿chste und tiefste Ziel zugleich, das sich ein Mensch stecken kann - und als Ziel f¿r ein Buch sehr hoch gegriffen. Somit handelt es sich hier auch nicht um ein Lese-Buch im herk¿mmlichen Sinn, sondern mehr um eine Schattenreise mit praktischen ¿ungsstationen. Es w¿ deshalb wundervoll und wichtig zugleich,
    - von Anfang an und parallel zur Lekt¿re ein Schattentagebuch zu f¿hren. Darin w¿n sowohl die Ergebnisse der Zwischenfragen und Tests festzuhalten als auch die in den ¿ungen und Meditationen gesammelten Erfahrungen. Wenn Sie dies wirklich tun, werden Sie staunen, wie wichtig Ihnen dieses eigene Schattenbuch wird und wie es ganz nebenbei die Essenz Ihrer pers¿nlichen Schattengeschichte sammelt.
    - Die beiliegende CD liefert weitere praktische Einstiegsm¿glichkeiten in die Seelen-Bilder-Welt. Die angewandte Technik der gef¿hrten Meditation ist sehr einfach und beeindruckend bewusstseinserweiternd. Sie m¿ssten nur die jeweilige innere Reise an der jeweils im Buch angegebenen Stelle absolvieren. Damit ergibt sich eine ideale Erg¿ung des Schattentagebuches. W¿end das Buch Ihnen hilft, mit allen detektivischen Tricks und Raffinessen dem Schatten auf die Schliche zu kommen - im Sinne einer so ber¿hmten Sp¿rnase wie Sherlock
    Holmes -, erf¿llen die Reisen der CD die Rolle eines Dr. Watson, des weniger cleveren, aber daf¿r intuitiveren und seelenerfahrenen Detektivgehilfen, der seinen Beitrag vom Herzen und aus dem Bauch heraus liefert. ? Die im Buch verstreuten Anregungen, sich bestimmte (Kino-) Filme zu Hause auf DVD anzuschauen, bringen ¿ere Schatten-Licht-Bilder mit ins Spiel und verbinden sie in anschlie¿nden ¿ungen mit den inneren Seelen-Bilder-Welten zu einem Ganzen, das viel mehr ist als die Summe seiner Teile.
    Die Reise in die eigene Schattenwelt findet also im Idealfall auf mehreren Ebenen statt: der des Lesens und Verstehens, der des Erlebens bei den im Buch gestellten Fragen, vorgeschlagenen ¿ungen, Ritualen, CD- und Film-Meditationen und bei ihrer aller Verbindung im Schattentagebuch. Letzteres wird auf diese Weise zum eigenen Buch der Schatten. Am besten w¿ es, wenn mit der Zeit bereits das Lesen innere Bilder heraufbeschw¿ren w¿rde, die sich auf den Gedanken-Bilder-Ausfl¿gen der beigef¿gten CD noch vertiefen k¿nnten.
    Kurz gesagt geht es darum, den eigenen Schatten aufzusp¿ren, sich mit ihm auseinanderzusetzen und zu konfrontieren - und ihn schlie¿ich anzunehmen, im Sinne von ihn lieben zu lernen. Da Sie hier also mehr ein Programm als ein Buch und streckenweise sogar Therapie vor sich haben, werden Sie auch nicht auf streng logisch ausgerichtete Pfade geschickt. Sie werden vielmehr erleben, dass sich Theorie und Praxis auf dem Schattenweg absichtlich immer mehr vermischen. Das Buch eignet sich daher weniger zum raschen Durchlesen. Es bringt mehr Gewinn, wenn Sie es immer wieder einmal zur Hand nehmen, um sich mittels Theorie und Praxis bisher Unbewusstes bewusst zu machen und Licht in das Schattenreich zu bringen. Sie haben daf¿r viel Zeit, ein ganzes Leben lang - mit oder ohne Buch, mit oder ohne Therapie.
    Das Buch k¿nnte gut auf dem Nachttisch bereitliegen. Wenn der Schatten der Nacht sich ¿ber uns senkt, ist die Zeit g¿nstig f¿r die freiwillige Schattenbegegnung, die zunehmend mehr Licht und damit auch mehr Freude ins Leben bringen wird. Immer mehr wird es sogar Spa¿machen, St¿ck f¿r St¿ck eigenes Dunkel zu durchlichten und dabei bewusster und weiter, offener und freundlicher zu werden - den anderen, aber vor allem auch sich selbst gegen¿ber. Die Schattenreise ist mit Sicherheit die spannendste Abenteuerreise, die wir uns vornehmen k¿nnen, und dieses Buch mag Ihnen dazu als Reisef¿hrer dienen, unter der Devise: ¿Dies ¿ber alles: sei dir selber treu.¿1
    Was ist eigentlich mit Schatten gemeint?
    Der Schatten ist das angstmachende Unbekannte. So dunkel er auch oft gemalt wird, birgt er doch Zugang zu allem Licht in einem selbst, das jede Form von Bewusstwerdung und erst recht Erleuchtung braucht. Schatten ist damit der eigentliche Schl¿ssel zum Leben, obwohl er meist als das Finstere, B¿se diffamiert wird. Letzteres ist er nat¿rlich auch, aber eben nicht nur. F¿r C. G. Jung, den Vater der Schatten-Psychotherapie, ist der Schatten einfach das gesamte Unbewusste. Grunds¿lich sind alle Symptome - ob k¿rperlich, seelisch oder geistig oder aus dem Sozialbereich - Ausdruck von Schatten.
    Das Schreiben dieses Schattenbuches hat mir deutlich gemacht, wie sehr das Gros meiner B¿cher mit diesem Thema zu tun hat. Eigentlich war ich knapp drei¿g Jahre lang nichts anderes als ein Schattentherapeut und habe selbst einiges an Schattentherapie durchlebt. Aber auch ich scheine das Thema noch immer nicht abschlie¿nd durchgearbeitet zu haben, wie dieses Buch zeigt. Die Schattenthemen begleiten mich, und Sie als mein Publikum machen es mir oft bewusst, wof¿r ich Ihnen an dieser Stelle danken m¿chte. Gibt es zum Beispiel bei einem Vortrag einen gro¿n B¿chertisch, denken viele und sagen einige: ¿Der kriegt den Hals auch nicht voll.¿ Gibt es keinen, sagen dieselben: ¿Jetzt ist er sich zum B¿cherverkauf schon zu schade.¿ Oder: ¿Wahrscheinlich hat er ja genug verdient.¿ Andere aber sagen und denken angesichts der vielen B¿cher: ¿Der ist aber flei¿g¿, und sie bewundern die Arbeit und sprechen mich darauf an. Gibt es keinen B¿chertisch, neigen diese Menschen zu Gedanken wie: ¿Scheint wirklich bescheiden zu sein, zeigt seine B¿cher nicht mal her.¿ F¿r Letztere ist die eigene Kreativit¿und Bescheidenheit ihr Schattenthema, und sie wollen sie entwickeln. Bei den Erstgenannten liegen ihr eigenes Geldproblem und ihre eigene Gesch¿st¿chtigkeit im Schatten. F¿r sie habe ich das Buch Die Psychologie des Geldes geschrieben. Beide Gruppen haben mit mir zu tun!
    Neben vergleichsweise harmlosen Symptomen und Fehlleistungen als Ausdruck von Schattenthemen wie Geiz oder Sch¿chternheit kennen wir alle drastische Beispiele f¿r den Einbruch des Schattens in das t¿iche Leben, die erschrecken, weil sie so unerwartet und gewaltsam sind. Dazu eine typische Geschichte: Von dem immer freundlichen und treusorgenden Familienvater, Herrn B., der sich nie etwas hatte zuschulden kommen lassen, sind alle gewohnt, dass er f¿r seine Familie eigene Interessen zur¿ckstellt. Als ausgesprochen hilfsbereit gegen¿ber den Verwandten und Nachbarn bekannt, dient er nicht selten als Vorbild. Alle sind voll des Lobes. Er ist das gute Beispiel, ein Vorzeigepapa, der sich f¿r seine Familie, Freunde und Kollegen aufopfert. Bittet man ihn um einen Gefallen, kann man so gut wie sicher sein, dass er ihn erf¿llen wird. Braucht man Hilfe, steht er einem zur Seite. Doch eines Tages und f¿r jeden v¿llig unerwartet, f¿t er aus der Rolle. Er wird f¿r einen kurzen Moment zu jemandem, den bisher niemand kannte: zu einem Gewaltt¿r, der seiner Frau ein Brotmesser in den Leib rammt und auch den Sohn in m¿rderischer Absicht verfolgt. So unerwartet, wie er hereingebrochen ist, vergeht der Spuk. Nun sinkt Herr B. gleichsam in sich zusammen und l¿t sich als H¿chen Elend von der Polizei widerstandslos in Gewahrsam nehmen. Als einen ¿gebrochenen Mann¿ wird ihn eine Journalistin beschreiben, die sich vergeblich bem¿ht, ¿das Unerkl¿iche¿ in Worte zu fassen. Eine Minute der Schattenherrschaft hat Jahrzehnte b¿rgerlich geordneten Lebens ausgel¿scht. Aus dem guten Vater ist von einem Moment zum anderen f¿r alle der b¿se Schattenmann geworden. Aus gutem Grund vergisst unsere Welt solche Schattenm¿er rasch, verbannt sie so schnell es geht aus dem normalen Alltag und sperrt sie in Gef¿nisse oder geschlossene Anstalten.
    F¿r solche krassen Schattendurchbr¿che wird heute meist das Wort Amok benutzt, das malaiischen Unsprungs ist und w¿rtlich ¿bersetzt ¿in blinder Wut t¿ten¿ bedeutet. Interessanterweise hat man in Asien, zum Beispiel in Bali, fr¿her Amokl¿e nicht einmal bestraft. Man ging davon aus, dass der Betreffende ¿au¿r sich¿ und folglich auch nicht verantwortlich sei. In gewisser Weise ist dies sogar eine moderne Sichtweise, wie die Betrachtung der Spaltpers¿nlichkeiten noch zeigen wird (ab Seite 191). Wenn der Schatten sehr lange sehr konsequent unterdr¿ckt wird, kann er v¿llig wesensfremd, wie gar nicht zu dem betreffenden Menschen geh¿rig, wirken.
    Folgende ¿Krankengeschichte¿ gibt ein weiteres Beispiel f¿r das Hereinbrechen des Schattens: Ein junger Patient, Vater zweier kleiner Kinder, bekommt die Diagnose Hodenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Die ¿zte prognostizieren, dass ihm h¿chstens noch ein Jahr bleibe. Verzweifelt sucht der Mann nach Auswegen: Wenn er jetzt wie verr¿ckt arbeiten w¿rde, wie viel k¿nnte er von dem Kredit f¿r die gerade bezogene Doppelhaush¿te noch abzahlen? Wie k¿nnte er seine Familie zus¿lich absichern? Er findet keine L¿sung. Mein in einem langen Gespr¿ unterbreitetes Angebot, den Kampf um sein eigenes Leben aufzunehmen, hat es schwer gegen den von den Autorit¿n der Schulmedizin verbreiteten Pessimismus. Die ¿L¿sung¿, die der Patient dann findet, kommt auch f¿r mich v¿llig unerwartet: Da er die Familie nicht mehr versorgen und sich selbst nicht mehr retten k¿nne, werde er sich nun den alten Traum einer Weltreise noch erf¿llen, den er geopfert habe, als seine Frau mit dem ersten Kind schwanger geworden sei. Einen kleinen Teil des noch vorhandenen Geldes verwende er f¿r sich, den Gro¿eil lasse er seiner Familie. An seinem Ende, wenn die von den Schulmedizinern angek¿ndigte Schw¿e ¿ber ihn komme, werde er sich einen Platz zum Sterben suchen. Statt Psychotherapie, das hei¿ innere Seelenreise, will er nun von mir Tipps f¿r die ¿ere Reise. Er l¿t Betroffenheit und Entsetzen in seiner Umgebung zur¿ck. Sie habe ihren Mann offenbar nie wirklich gekannt, meint die ersch¿tterte Frau, die ihn zu mir geschickt hatte. Er sei bisher nie r¿cksichtslos und egoistisch gewesen. Aber sie erinnert sich, wie gern er einst mit ihr auf Weltreise gehen wollte und wie sie es wegen der Schwangerschaft aufgegeben hatten. Stattdessen hatten sie geheiratet und gleich noch ein Kind bekommen, und er hatte sofort zu arbeiten begonnen, statt zu studieren. Im Gespr¿ wird deutlich, wie willkommen ihr die Schwangerschaft gewesen war und wie ungelegen ihm. Ihr hatte sie erspart, ihre ¿gste vor der Welt zu ¿berwinden und die Unsicherheit der Lebenssituation weiter zu ertragen. Dass er sie, ihrem gr¿¿en
    Wunsch entsprechend, heiraten w¿rde, hatte sie gewusst oder jedenfalls gehofft. Ihm aber hatte das erste Kind wohl die Freiheit und den Traum von der gro¿n weiten Welt und einem Studium weit weg von zu Hause genommen.
    Beide Geschichten haben etwas gemeinsam. Im Amoklauf wie in der Krebserkrankung bricht Schatten in das Leben ein und ver¿ert es radikal. Im Gegensatz zur ersten Geschichte, die ebenso hoffnungs- wie erkl¿ngslos im Gef¿nis endet, findet die zweite jedoch einen unerwarteten Ausgang. Nach einem halben Jahr wird der junge Mann nicht schw¿er, wie von den ¿zten vorausgesagt, sondern er kann gut weiterreisen. Nach einem Jahr ist er l¿st an jenem zum Sterben ausgew¿ten Platz in Indien, aber w¿end ihm das Geld ausgeht, bleibt seine Lebenskraft erhalten. Er schl¿ sich durch und kommt nach fast zwei Jahren ohne Anzeichen von Krebs zur¿ck. Sp¿r nimmt ihn seine Frau sogar wieder auf.
    Heute w¿rde ich sagen, dass der junge Mann ein gutes St¿ck Schattenarbeit in Eigenregie geleistet und einen Teil von sich gelebt hat, der zuvor unterdr¿ckt gewesen war. Sein Krebs war ein Ausbruch dunklen Schattens, sein Aufbruch ein Durchbruch lichten Schattens. Beides aber war Schatten, weil unbewusst. Kaum gab der Patient dem Schatten freiwillig Energie, konnte der Schatten dem Leben so viel Kraft und Dynamik schenken und sogar - nebenbei und ohne Therapie - den Krebs besiegen. Dies hatte der junge Mann keineswegs erwartet. Er war nicht mehr derselbe, als der er abgereist war. Seine Frau hatte recht: Den Teil, der ihn alles abbrechen und kurzentschlossen aufbrechen lie¿ hatte sie nie gekannt. Wahrscheinlich hatte er selbst ihn bis dahin kaum gekannt. Die Aussichtslosigkeit der Krebsdiagnose gab ihm die Kraft, sich zu diesem in den Schatten verbannten Traum neuerlich zu bekennen. Bei der R¿ckkehr war dieser Teil zum Leben gekommen und integriert worden, und er
    machte sein Leben reicher und runder f¿r ihn und seine Familie. In dieser neuen Kraft fing er auch (s)ein Studium an.
    Schattentagebuch: Neige ich dazu, im Urlaub immer an dieselben Orte zu reisen, oder zieht es mich in unbekanntes Neuland? Was k¿nnte ich mir f¿r meine Ferien vornehmen? Gibt es in meinem Leben Umz¿ge, oder neige ich dazu zu bleiben, wo ich immer war?
    Bitte notieren Sie dazu Ihre Gedanken.
    Beide Beispiele zeigen, dass der Schatten unsichtbar und aus dem Unbewussten wirkt. Doch kann er dabei zum Wegweiser werden f¿r das, was uns zur Ganzheit fehlt. Das macht ihn wertvoll und zu unserem gr¿¿en Schatz. Zwar kennen wir unseren Schatten per Definition nicht, aber dennoch ist die Schattenreise - wie die zweite Geschichte andeutet - verlockend und voller wunderbarer M¿glichkeiten. Wenn wir uns in ein neues, unbekanntes Land trauen, wird es uns viel mehr inspirieren und mehr bringen als die immer gleiche Reise an denselben Ort.

    Von Teufeln, D¿nen und inneren Schweinehunden
    Der Schatten hat von den Menschen im Laufe der Geschichte viele Namen bekommen, tiefgr¿ndige und oberfl¿liche. Davon unabh¿ig hat er seine zentrale und beherrschende Rolle im Leben immer bewahrt, selbst dann, als man wenig von ihm wissen wollte wie in unserer modernen Zeit. Im Mittelalter nannte man ihn den inneren D¿n und ging davon aus, mit dem Teufel zu ringen, wenn man sich ihm widmete. Wer sagte, der Teufel habe ihn geritten, glaubte, unter Schatteneinfluss geraten zu sein.

    Die Begegnung mit den eigenen D¿nen ist Kirchenleuten vertraut, denn sie mussten so viel Wesentliches, so viele nat¿rliche Triebe unterdr¿cken. Die Triebe aber trieben sie, und das Unterdr¿ckte dr¿ckte auf ihr Gem¿t. Je mehr sie diese D¿nen von sich getrennt sahen, desto leichter konnten sie sich der Verantwortung f¿r ihre dunkle Seite entziehen. Also schoben sie die Triebe lieber dem Teufel in die Schuhe, als selbst Verantwortung daf¿r zu ¿bernehmen.
    Die Verteufelung von anderen, das Abschieben aller m¿glichen Schuld oder Verantwortung auf andere nennen Psychologen Projektion (lat. proicere = hinauswerfen, nach vorn werfen, hinwerfen). Sie f¿hrt aber zu keiner L¿sung, sondern macht das abgewehrte, weggeschobene Thema im Gegenteil immer st¿er und schlie¿ich lebensbestimmend. So bekommt der Teufel als klassische Schattengestalt immer dann eine beherrschende Rolle in einem individuellen Leben oder in einer Epoche, wenn ihm besonders viel Lebenswichtiges zugeschoben und dem Leben entzogen wird. Projektion ist also der direkte Weg zur Schattenbildung.
    Wie sehr selbst in den Schatten gedr¿te Liebe zum Problem wird, zeigt das Christentum, die Religion der Liebe. Dessen Priester, denen irdisch k¿rperliche Aspekte der Liebe verboten und nur die himmlischen erlaubt sind, st¿rzten diesbez¿glich zu allen Zeiten in die Niederungen des Schattens. In der Inquisition erlebte die Liebe ihre pervertierteste Form in Gestalt eines klerikalen Sadismus, der im Kampf gegen die Attraktion des Weiblichen, die Heilkr¿e der weisen Frauen und die alte Religion der Fruchtbarkeit, den Foltertod von ein bis neun Millionen Menschen, vor allem Frauen, heraufbeschworen hat. Das Hauptverbrechen dieser ¿Hexen¿ bestand darin, attraktiv zu sein und heilen sowie die Fruchtbarkeit regeln zu k¿nnen. Doch in Wahrheit geschah nichts anderes, als dass der m¿liche Pol in Gestalt des m¿lichen Klerus den eigenen weiblichen Schatten in Gestalt der angeklagten Frauen niedermachte - statt im Sinne C. G. Jungs die Anima zu integrieren und weiter und offener zu werden f¿r die eigene weibliche Seite des Mitgef¿hls und der Sinnlichkeit, der Fruchtbarkeit und des Heil(en)s. Die perverse Logik der Projektion wurde wohl nirgendwo so erschreckend deutlich.
    Der Klerus konnte sich nicht vorstellen, dass allein der Anblick einer Frau gen¿gte, um einen gottgef¿igen Priester anzumachen; sie musste mit dem Teufel im Bunde sein. Wenn man sie also in ebenso geilen wie sadistischen Folterorgien zu Tode qu¿e, rettete man auch ihre Seele vor dem Teufel. Au¿rdem war das Z¿libat nat¿rlich leichter zu ertragen, wenn man alle attraktiven Frauen der Umgebung umbringen lie¿ dabei noch neunzig Prozent von deren Besitz einsteckte und die Denunzianten mit den restlichen zehn Prozent sowohl k¿derte als auch abspeiste. Dagegen erscheint die aktuelle Missbrauchsorgie geradezu harmlos, aber auch sie ist Ausdruck des verdr¿ten Schattens einer menschlichen Liebe, die im Z¿libat kaum eine Chance erh¿. Zur h¿chsten Form in Gestalt der g¿ttlichen Liebe reicht es bei vielen menschlichen Priestern offenbar nicht, und so fallen sie immer wieder zur¿ck auf k¿rperliche, sexuelle Ebenen und dort auf die unerl¿stesten und perversesten Varianten. Jedoch ist Liebe tats¿lich gefordert und besonders von Priestern, den Vertretern des Gottes der Liebe auf Erden, aber sie h¿e nicht so k¿rperlich handgreiflich sein sollen wie in den abscheulichen Inquisitionsverfahren und nicht so unappetitlich wie bei modernen Missbrauchsf¿en. Andererseits w¿rde man es sich zu leicht machen, auf die Kirche und ihre Priester zu projizieren. Wo viel Licht ist, ist eben auch viel Schatten. Das zeigt die Geschichte des Christentums von ihrem Anfang an. Anders gesagt, wo viel Schatten ist, muss auch viel Licht sein, etwa in Gestalt all der Priester, die sich gar nichts zuschulden kommen lie¿n und heute gleich mit beschimpft und verunglimpft werden.
    Wie schwer ehrliche Schattentherapie der Kirche heute f¿t, kann uns zeigen, wie schwer sie allgemein ist. Wie erl¿send aber w¿ sie auch, wenn nach einem radikalen Reinemachen die Energie der Kl¿ng und Erneuerung Raum bek¿ und frischen Wind und neue Kraft in alte Mauern und Hirne tragen w¿rde. Wie viel Energie k¿nnte eine ehrliche Bitte um Verzeihung und der erkl¿e Wille zur Wiedergutmachung, von h¿chster Stelle ge¿ert, freisetzen! Tats¿lich w¿ die Kirche, die immerhin der letzte Hort der Werte unserer Kultur ist, zur Schattentherapie aufgerufen und zu der damit einhergehenden L¿erung von Grund auf. Es w¿ die Chance, ein in jeder Hinsicht unhaltbares Gel¿bde wie das Z¿libat, das - bei besten Absichten - so viel Schatten beziehungsweise Unheil heraufbeschworen hat, zu reformieren, zumal es mit Christus und seiner wundervollen Lehre der Liebe nur insofern zu tun hat, als es deren dunkelsten Schatten heraufbeschworen hat.
    Christus wusste im ¿rigen, was er tat, als er seine Kirche auf Petrus baute, der ihn schon in der ersten Nacht dreimal verraten w¿rde, um die eigene Haut zu retten.2 Was der Meister in Kauf nahm, darf uns heutige Christen beunruhigen, aber das Wissen um das ganze Muster und den gro¿n Plan k¿nnte auch wieder Ruhe einkehren lassen, nach gr¿ndlicher L¿erung und Schattenkonfrontation. Ohne es so konkret formulieren zu k¿nnen, sp¿ren und fordern diese Notwendigkeit heute viele Millionen katholischer Christen. Verglichen mit diesem Thema, das so viel Resonanz in vielen von uns ausl¿st, sind andere Themen leichter zu nehmen. Aber wo immer der Schatten ins Spiel kommt, wird es schnell hart und unangenehm, besonders dort, wo es f¿r einen pers¿nlich wichtig ist.
    Selbst als D¿n hatte der Schatten aber auch bessere Zeiten. In der griechischen Antike stand Daimonion f¿r das G¿ttliche, und Sokrates bezeichnete so den h¿chsten g¿ttlichen Teil der Seele, vergleichbar mit heutigen Ausdr¿cken wie Gewissen und innerer Stimme, denen wir gehorchen sollten.
    In der antiken Sage m¿ssen die Helden des Mythos in die Unterwelt hinabsteigen wie etwa Herakles, der auf dem Weg noch mit dem H¿llenhund Cerberus ringt. Letzterer ist heute als innerer Schweinehund besser bekannt und ein guter Vertrauter aller Abh¿igen und S¿chtigen. Wer genau hinschaut, findet ihn auch in sich. Er l¿t uns einerseits Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen. Andererseits hindert er uns, zu tun, was wir wollen und sollen und etwa als gesund erachten. Diesen inneren Schweinehund betrachten wir am liebsten als einen Fremden, mit dem uns nichts verbindet. Auf ihn schieben wir unser Versagen. Zum Beispiel bekommt er Schuld, wenn wir es nicht schaffen, joggen zu gehen, und auch dies ist Projektion: das Abschieben von Verantwortung. In Wahrheit ist nat¿rlich der innere Schweinehund - nomen est omen - ein Teil von uns, ein typischer Schattenaspekt. Wir haben nur wenig Kontakt zu diesem ¿anderen Willen¿ und f¿hlen uns bis zu einem gewissen Grad fremdbestimmt, wie es f¿r Suchtverhalten typisch ist. Wann immer wir jemand anders Schuld geben, ist Projektion und damit wieder das Schattenthema im Spiel.
    Der Kampf menschlicher Helden mit diesem tierischen oder dunklen Gegenpol ist eine klassische Auseinandersetzung mit dem Schatten, die die Mythen der V¿lker durchzieht. Siegfried hat sie mit dem Drachen Fafner stellvertretend f¿r viele junge Helden ausgefochten. Die Heldensagen und Mythen erz¿en uns, wie mutige Recken das Land und sich selbst von b¿sen Scheusalen befreien, unter denen alles Leben zu ersticken droht. Sie wachsen ¿ber sich selbst hinaus und besiegen mit dem Drachen den eigenen Schatten. Danach k¿nnen sie selbst und kann auch ihr Land wieder aufleben. Die Helden stehen hier stellvertretend f¿r uns alle, die wir bei diesem Kampf mit dem Schattendrachen so viel zu gewinnen haben. Wir m¿ssen ihn finden, ihn stellen und vor allem uns ihm stellen. Damit ist er schon so gut wie besiegt. In der chinesischen Symbolik ist der Drache von Anfang an ein Gl¿ckssymbol. In unserer Kultur m¿ssen wir ihn erst dazu machen. Dies ist m¿glich, wenn wir ihn besiegen, indem wir uns mit dem eigenen Dunkel, der Schattenwelt, konfrontieren und sie so zu einem bewussten Teil von uns wird. Siegfried badet zum Zeichen daf¿r im Drachenblut, das ihn ¿berall, wo es seine Haut benetzt, immun gegen die dunklen Kr¿e des Verderbens macht.
    Bereits in der ¿esten Menschheitssage erkennen wir dieses Motiv wieder: Der babylonische Held Gilgamesch gewinnt durch den Kampf mit seinem dunklen Bruder Enkidu in diesem sp¿r seinen st¿sten Verb¿ndeten - ein weiterer Hinweis darauf, welche gro¿n Geschenke im Schattenreich auf uns warten.
    Wie viel Ehrlichkeit und Echtheit f¿r diesen Kampf mit dem Schatten notwendig sind, mag ein anderer Mythos aus dem Zweistromland verraten. In diesem muss die Himmelsg¿ttin Innana den Abstieg zu ihrer dunklen Gegenspielerin, der G¿ttin der Unterwelt, nackt und ohne ihre W¿rdenzeichen antreten. Das hei¿, sie hat bei der Konfrontation mit der eigenen dunklen Seite jede ihrer Masken abzulegen.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 312
Erscheinungsdatum 30.08.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-33881-8
Verlag Arkana Verlag
Maße (L/B/H) 22.2/14.4/3.5 cm
Gewicht 542 g
Abbildungen schwarzweisse Abbildungen
Auflage 7. Auflage
Verkaufsrang 10271
Buch (gebundene Ausgabe)
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Tolles, aber auch anstrengendes Buch
von einer Kundin/einem Kunden aus Kaltental am 14.07.2019

Wieder mal ein tolles Buch von Dr. Rüdiger Dahlke, dass bisherige Denkweisen kritisch hinterfragt und einem hilft sich menschlich extrem weiter zu entwickeln. Man kann es jedoch, wie er auch schreibt, nicht einfach am Stück durchlesen und gut. Es sind immer wieder Aufforderungen darin, selbst tätig zu werden und das Gelernte um... Wieder mal ein tolles Buch von Dr. Rüdiger Dahlke, dass bisherige Denkweisen kritisch hinterfragt und einem hilft sich menschlich extrem weiter zu entwickeln. Man kann es jedoch, wie er auch schreibt, nicht einfach am Stück durchlesen und gut. Es sind immer wieder Aufforderungen darin, selbst tätig zu werden und das Gelernte umzusetzen. Nichts für schwache Nerven

von einer Kundin/einem Kunden am 31.08.2018
Bewertet: anderes Format

Unsere Wege zur Vermeidung dessen, wovor wir Angst haben und was wir nicht mögen, machen uns krank. Dies zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt. Dieses Buch kann dabei helfen.

Falscher Artikel
von einer Kundin/einem Kunden aus Hösbach am 29.01.2018

Ich kann das Buch leider nicht bewerten, da ich einen komplett falschen Inhalt zugeschickt bekommen habe. Ich erhielt die CD 3 ??? und musste mich um einen Umtausch bemühen. Da hat wohl einer geschlafen.