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Verbrechen

Stories

Ferdinand von Schirach hat es in seinem Beruf alltäglich mit Menschen zu tun, die Extremes getan oder erlebt haben. Das Ungeheuerliche ist bei ihm der Normalfall. Er vertritt Unschuldige, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ebenso wie Schwerstkriminelle. Deren Geschichten erzählt er – lakonisch wie ein Raymond Carver und gerade deswegen mit unfassbarer Wucht.
Rezension
"Seine kühlen, klaren Texte wirkten wie mit dem Meissel gehauen. Trotzdem berührten sie stärker als alles, was auf Rührung aus war. Seine Geschichten waren nur wenige Seiten lang. Trotzdem erzählten sie mehr über Leben und Tod als manch weitschweifender Roman der deutschen Gegenwartsliteratur.", NZZ Folio, 03.02.2014
Portrait
Der SPIEGEL nannte ihn einen »grossartigen Erzähler«, die NEW YORK TIMES einen »aussergewöhnlichen Stilisten«, der INDEPENDENT verglich ihn mit Kafka und Kleist, der DAILY TELEGRAPH schrieb, er sei »eine der markantesten Stimmen der europäischen Literatur«. Ferdinand von Schirachs Erzählungsbände »Verbrechen« und »Schuld« und seine Romane »Der Fall Collini« und »Tabu« wurden zu millionenfach verkauften internationalen Bestsellern, die bisher in mehr als 40 Ländern erschienen sind. Sein erstes Theaterstück »Terror« wurde parallel am Deutschen Theater Berlin und am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt. Schirach wurde mit mehreren – auch internationalen – Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kleist-Preis. Seinen Erfolg erklärt die französische LIBÉRATION so: »Schirachs Meisterleistung ist, uns zu zeigen, dass – egal wie monströs dessen Taten zunächst scheinen mögen – ein Mensch doch immer ein Mensch ist.« Ferdinand von Schirach lebt in Berlin.
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  • Vorwort

    Jim Jarmusch hat einmal gesagt, er würde lieber einen Film über einen Mann machen, der mit seinem Hund spazieren geht, als über den Kaiser von China. Mir geht es genauso. Ich schreibe über Strafverfahren, ich habe in mehr als siebenhundert verteidigt. Aber eigentlich schreibe ich über den Menschen, über sein Scheitern, seine Schuld und seine Grossartigkeit.
    Ich hatte einen Onkel, der Vorsitzender Richter an einem Schwurgericht war. Diese Gerichte sind für Tötungsdelikte, für Mord und Totschlag, zuständig. Er erzählte uns Fälle, die wir als Kinder verstanden haben. Sie begannen immer da- mit, dass er sagte: "Die meisten Dinge sind kompliziert, und mit der Schuld ist es so eine Sache." Er hatte recht. Wir laufen den Dingen hin terher, sie sind schneller als wir, und am Ende können wir sie nicht erreichen. Ich erzähle von Mördern, Drogendealern, Bankräubern und Pros tituierten. Sie haben ihre Geschichte, und sie unterscheiden sich nicht sehr von uns. Wir tanzen unser Leben lang auf einer dünnen Schicht aus Eis, darunter ist es kalt, und man stirbt schnell. Manche trägt das Eis nicht, und sie brechen ein. Das ist der Moment, der mich interessiert. Wenn wir Glück haben, passiert es nicht, und wir tanzen weiter. Wenn wir Glück haben.
    Mein Onkel, der Richter, war im Krieg bei der Marine, sein linker Arm und seine rechte Hand wurden von einer Granate abgerissen. Er hat trotzdem lange nicht aufgegeben. Man sagt, er sei ein guter Richter gewesen, menschlich, ein aufrechter, gerechter Mann. Er ging gerne auf die Jagd, er hatte ein kleines Revier. Eines Morgens ging er in den Wald, er nahm den Dop pellauf seiner Schrotflinte in den Mund und drückte mit dem Stumpf seines rechten Armes ab. Er trug einen schwarzen Rollkragenpulli, sein Jackett hatte er über einen Zweig gehängt. Sein Kopf zerplatzte. Viel später habe ich die Bilder gesehen. Er hinterliess einen kurzen Brief an seinen besten Freund, er schrieb, dass er einfach genug habe. Der Brief begann mit den Worten: "Die meisten Dinge sind kompliziert, und mit der Schuld ist es so eine Sache." Er fehlt mir immer noch. Jeden Tag.
    Von solchen Menschen und ihren Geschichten handelt das Buch.

    Fähner

    Friedhelm Fähner war sein Leben lang prak tischer Arzt in Rottweil gewesen, 2800 Krankenscheine pro Jahr, Praxis an der Hauptstrasse, Vorsitzender des Kulturkreises Ägypten, Mitglied im Lionsclub, keine Straftaten, nicht einmal Ordnungswidrigkeiten. Neben seinem Haus besass er zwei Mietshäuser, einen drei Jahre alten Mercedes E-Klasse mit Lederausstattung und Klimaautomatik, etwa 750000 Euro in Aktien und Obligationen und eine Kapitallebensversicherung. Fähner hatte keine Kinder. Seine einzige noch lebende Verwandte war seine sechs Jahre jüngere Schwester, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Stuttgart lebte. Über Fähners Leben hätte es eigentlich nichts zu erzählen gegeben.
    Bis auf die Sache mit Ingrid.
    Mit 24 Jahren hatte Fähner Ingrid auf dem sechzigsten Geburtstag seines Vaters kennengelernt. Auch sein Vater war Arzt in Rottweil gewesen.
    Rottweil ist eine durch und durch bürgerliche Stadt. Jedem Fremden wird ungefragt erklärt, die Stadt sei von den Staufern gegründet und die älteste in Baden-Württemberg. Tatsächlich trifft man hier auf mittelalterliche Erker und hübsche Stechschilder aus dem 16.Jahrhundert. Die Fähners waren schon immer hier. Sie gehörten zu den sogenannten ersten Familien der Stadt, waren anerkannte Ärzte, Richter und Apotheker.
    Friedhelm Fähner ähnelte dem jungen John F. Kennedy. Er hatte ein freundliches Gesicht, man hielt ihn für einen sorglosen Menschen,
    die Dinge glückten ihm. Nur wenn man genauer hinsah, fiel etwas Trauriges, etwas Altes und Dunkles in seinen Zügen auf, wie man es nicht selten in dieser Gegend zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb sieht.
    Ingrids Eltern, Apotheker in Rottweil, brachten ihre Tochter zu der Feier mit. Sie war drei Jahre älter als Fähner, eine handfeste Pro
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 205
Erscheinungsdatum 01.10.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-492-25966-8
Verlag Piper
Maße (L/B/H) 18.5/12.2/2 cm
Gewicht 197 g
Auflage 33. Auflage
Verkaufsrang 2890
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
60 Bewertungen
Übersicht
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Was ist ein Verbrechen?
von einer Kundin/einem Kunden am 03.04.2020

Nach § 12 StGB (Strafgesetzbuch) sind all jene rechtswidrigen Handlungen als Verbrechen klassifiziert, “die im Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder darüber bedroht sind” (§ 12 Absatz 1 StGB)... So viel zur Einordnung in der deutschen Rechtsprechung. Doch ganz so einfach ist es oftmals nicht. Ferdinand von Sch... Nach § 12 StGB (Strafgesetzbuch) sind all jene rechtswidrigen Handlungen als Verbrechen klassifiziert, “die im Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder darüber bedroht sind” (§ 12 Absatz 1 StGB)... So viel zur Einordnung in der deutschen Rechtsprechung. Doch ganz so einfach ist es oftmals nicht. Ferdinand von Schirach erzählt in seinen Kurzgeschichten von Verbrechen, die aus den unterschiedlichsten Motiven oder ganz ohne Motiv begangen wurden. Er erzählt von Menschen, die keinen Ausweg sehen; von Menschen, die sich kaltblütig über andere stellen und von Menschen, die das Recht in ihre eigene Hand nehmen. Natürlich ist jedermann verpflichtet, sich an die geltenden Gesetze zu halten oder hat ansonsten die Konsequenzen zu tragen. Trotzdem kann ich nicht umhin, mein Bild von den Begriffen "Schuld" und "Strafe" nach der Lektüre dieser Geschichtensammlung zu hinterfragen.

Einbisschen Hintergrundwissen zu interessanten Kriminalfällen
von einer Kundin/einem Kunden aus Worms am 02.03.2020

In dem Buch Verbrechen von Ferdinand von Schirach, geht es um verschiedene wahre Verbrechen. Diese Verbrechen sind wirklich passiert und zu jedem Verbrechen gibt eine kurze Erklärung, wieso diese Fälle nicht so eindeutig sind, wie man im ersten Moment denkt. Jede der Kurzgeschichten ist auf ihre eigene Weise interessant. Leider... In dem Buch Verbrechen von Ferdinand von Schirach, geht es um verschiedene wahre Verbrechen. Diese Verbrechen sind wirklich passiert und zu jedem Verbrechen gibt eine kurze Erklärung, wieso diese Fälle nicht so eindeutig sind, wie man im ersten Moment denkt. Jede der Kurzgeschichten ist auf ihre eigene Weise interessant. Leider habe ich zwei Kurzgeschichten schon nach ein paar Seiten abgebrochen, nicht weil sie schlecht waren, sondern weil mich das Thema nicht interessiert hat. Die anderen Kurzgeschichten, sowie den Schreibstil kann ich aber auf jeden Fall empfehlen. Es war spannend, mal etwas über das Rechtssystem in Deutschland zu erfahren und wie es zu einem Prozess kommt und wie dann über jeden einzelnen Fall entschieden wird.

Tiefer Sachverstand und emotional bewegt
von einer Kundin/einem Kunden aus Berlin am 08.02.2020

Seine Art zu schreiben fasziniert. Er versucht immer tief in die Seele der Menschen einzusteigen und gibt keine oberflächlichen Urteile ab. Seine Bücher zu lesen macht nachdenklich. Es sind keine Reißer Sorte SOKO und so weiter. Es geht immer zuerst um Menschen ,die nicht immer so funktionieren wie man es erwarten würde. Es ist ... Seine Art zu schreiben fasziniert. Er versucht immer tief in die Seele der Menschen einzusteigen und gibt keine oberflächlichen Urteile ab. Seine Bücher zu lesen macht nachdenklich. Es sind keine Reißer Sorte SOKO und so weiter. Es geht immer zuerst um Menschen ,die nicht immer so funktionieren wie man es erwarten würde. Es ist Einfach ein Genuss seine Bücher zu lesen. Danke.