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Keine zweite Chance

Thriller. Deutsche Erstausgabe

„Als die erste Kugel in meine Brust einschlug, dachte ich an meine Tochter.“ Als Marc Seidman wieder zu Bewusstsein kommt, liegt er auf der Intensivstation, seine Frau ist tot, und von seiner sechs Monate alten Tochter Tara fehlt jede Spur. Doch Tara lebt: Eine Lösegeldforderung trifft ein, die Marc neue Hoffnung gibt. Die Entführer geben Marc allerdings nur eine Chance, seine Tochter wieder zu sehen. Doch die Lösegeldübergabe geht schief …

Rezension
"Ein atemberaubender Thriller, der einer Nerven zerreissenden Achterbahnfahrt gleicht." USA Today
"Vom rätselhaften Anfang bis zum überraschenden Schluss ein atemberaubender Thriller." Houston Chronicle
"Dieser Roman beweist auf Neue, dass Coben besser ist als all seine Kollegen." Arizona Republic
Portrait
Harlan Coben wurde 1962 in New Jersey geboren. Nachdem er zunächst Politikwissenschaft studiert hatte, arbeitete er später in der Tourismusbranche, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Thriller wurden bisher in über 40 Sprachen übersetzt und erobern regelmässig die internationalen Bestsellerlisten. Harlan Coben, der als erster Autor mit den drei bedeutendsten amerikanischen Krimipreisen ausgezeichnet wurde – dem Edgar Award, dem Shamus Award und dem Anthony Award –, gilt als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Thrillerautoren seiner Generation. Er lebt mit seiner Frau und seiner Familie in New Jersey.
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  • Als die erste Kugel in meine Brust einschlug, dachte ich an meine Tochter.
    Das möchte ich zumindest glauben. Ich verlor ziemlich schnell das Bewusstsein. Und wenn man es ganz genau nimmt, erinnere ich mich nicht einmal mehr daran, dass auf mich geschossen wurde. Ich weiss, dass ich viel Blut verloren habe. Ich weiss, dass eine zweite Kugel meinen Kopf gestreift hat, obwohl ich da vermutlich
    schon bewusstlos war. Ich weiss auch, dass mein Herz aufgehört hat zu schlagen. Trotzdem möchte ich glauben, dass ich an Tara gedacht habe, als ich im Sterben lag.
    Zu Ihrer Information: Ich habe weder ein helles Licht noch einen dunklen Tunnel gesehen. Und falls doch, kann ich mich auch daran nicht mehr erinnern.

    Tara, meine Tochter, ist erst sechs Monate alt. Sie lag in ihrem Kinderbett. Ich frage mich, ob die Schüsse sie erschreckt haben.
    Müssen sie eigentlich. Wahrscheinlich hat sie angefangen zu weinen.
    Ich frage mich, ob das vertraute, durchdringende Geräusch ihrer Schreie irgendwie durch den Nebelschleier an mein Ohr gedrungen ist, ob ich es tatsächlich gehört habe. Aber auch daran kann ich mich nicht erinnern.
    Ganz genau hingegen erinnere ich mich an Taras Geburt. Ich weiss noch, wie Monica – Taras Mutter – all ihre Kraft zusammennahm und ein letztes Mal presste. Dann erschien ihr Kopf. Ich sah meine Tochter als Erster. Wir alle haben im Laufe unseres Lebens schon oft am Scheideweg gestanden. Wir wissen, dass man gelegentlich eine Tür schliesst, indem man eine andere öffnet. Wir kennen die Zyklen des Lebens und den Wechsel der Jahreszeiten.
    Aber der Augenblick, in dem das eigene Kind geboren wird … ist mehr als überirdisch. Man schreitet durch ein Portal wie bei Raumschiff Enterprise, durch einen voll funktionstüchtigen Realitäts-Transformer. Alles wird anders. Man verwandelt sich – ein einfaches Element kommt in Kontakt mit einem gewaltigen Katalysator und wird zu etwas viel Komplexerem. Das alte Universum ist verschwunden; es schrumpft – hier jedenfalls – auf dreitausendeinhundertfünfzig Gramm zusammen.
    Vaterschaft verwirrt mich. Ich weiss, nach nur sechs Monaten bin ich noch Amateur. Lenny, mein bester Freund, hat vier Kinder. Ein Mädchen und drei Jungen. Seine Älteste, Marianne, ist zehn, sein Jüngster gerade ein Jahr alt geworden. Wenn ich Lennys ewig mattes, aber glückliches Lächeln und den ständig Fast-Food-verklebten Boden seines Geländewagens sehe, wird mir bewusst, dass ich noch gar nicht mitreden kann. Das ist mir vollkommen klar. Aber wenn ich mich angesichts der vor mir liegenden Aufgabe, ein Kind zu erziehen, einmal so richtig verloren fühle oder Angst bekomme, brauche ich nur das hilflose Bündel in der Wiege anzusehen, und wenn Tara dann zu mir aufblickt, frage ich mich, was ich alles tun würde, um sie zu beschützen. Natürlich wäre ich ohne jedes Zögern bereit, mein Leben zu opfern. Und, um ehrlich zu sein, wenn es hart auf hart käme, selbstverständlich auch Ihres.

    Daher möchte ich glauben, dass ich, als die beiden Kugeln in meinen Körper eindrangen, als ich mit dem halb aufgegessenen Müsliriegel in der Hand auf das Linoleum des Küchenfussbodens sackte und in der sich ausbreitenden Lache meines eigenen Blutes lag, und sogar als mein Herz zu schlagen aufhörte, noch immer
    versucht habe, meine Tochter zu beschützen.

    Ich kam im Dunkeln wieder zu mir.
    Anfangs hatte ich keine Ahnung, wo ich war, doch dann piepte es rechts von mir. Ich kannte das Geräusch. Ich rührte mich nicht, lauschte nur den Pieptönen. Mein Gehirn fühlte sich zäh an, wie in Sirup eingelegt. Die erste Regung, die ich verspürte, war elementar: Durst. Ich wollte Wasser. Ich hätte nie gedacht, dass eine Kehle sich so trocken anfühlen könnte. Ich versuchte zu schreien, aber meine Zunge klebte in der ausgedorrten Mundhöhle.
    Eine Gestalt kam ins Zimmer. Als ich versuchte, mich aufzurichten, schoss ein heisser Schmerz wie ein Messerstich meinen Nacken hinab. Mein Kopf fiel nach hinten. Und wieder versank alles in Dunkelheit.
    Das nächste Mal erwachte ich am Tag. Grelle Sonnenstrahlen drangen zwischen den Lamellen der Jalousien hindurch ins Zimmer. Ich blinzelte. Ein Teil von mir verspürte den Drang, die Hand zu heben und das Licht von meinen Augen fern zu halten, aber die Erschöpfung hielt mich davon ab. Meine Kehle war noch immer knochentrocken.
    Ich hörte etwas, und plötzlich beugte sich eine Frau über mich.
    Ich erblickte eine Krankenschwester. Die ungewohnte Perspektive brachte mich aus der Fassung. Das passte alles nicht. Sonst war ich derjenige, der neben dem Krankenbett stand und auf den Patienten hinabsah. Eine weisse Haube – so ein steifes, dreieckiges Modell – sass wie ein Vogelnest auf dem Kopf der Schwester.
    Ich hatte einen Grossteil meines Lebens in den unterschiedlichsten Krankenhäusern gearbeitet, kann aber nicht sagen, ob ich, ausser in Fernsehserien oder Spielfilmen, je so eine Kopfbedeckung gesehen habe. Die Schwester war untersetzt und schwarz.
    »Dr. Seidman?«
    Ihre Stimme klang wie warmer Ahornsirup. Ich brachte ein unmerkliches Nicken zustande. Die Schwester musste meine Gedanken gelesen haben, hielt sie doch schon einen Becher mit Wasser in der Hand. Sie steckte mir einen Strohhalm zwischen die Lippen, und ich saugte gierig.
    »Schön langsam«, sagte sie sanft.
    Ich wollte fragen, wo ich mich befand, doch das war eigentlich deutlich zu erkennen. Ich öffnete den Mund, um zu fragen, was passiert war, aber wieder kam sie mir zuvor.
    »Ich hole den Doktor«, sagte sie und ging zur Tür. »Entspannen Sie sich.«
    Ich krächzte: »Meine Familie …«
    »Ich bin gleich wieder da. Machen Sie sich keine Sorgen.«
    Ich liess meine Augen durchs Zimmer schweifen. Mein Blick war durch einen medikamentenbedingten Duschvorhang benebelt. Trotzdem gab es genug Anhaltspunkte für einige Schlussfolgerungen. Ich lag unverkennbar in einem Krankenhauszimmer. Zu meiner Linken stand ein Tropf mit Infusionsbeutel und Perfusor, von dem sich ein Schlauch zu meinem Arm schlängelte. Die Energiesparlampen summten fast, aber nicht ganz, unhörbar. In der oberen rechten Zimmerecke hing ein kleines Fernsehgerät auf einem Schwenkarm. Knapp zwei Meter vom Fussende des Bettes entfernt befand sich ein grosses Fenster. Ich kniff die Augen zusammen, konnte aber nicht hindurchsehen. Wahrscheinlich stand ich unter Beobachtung. Das bedeutete, dass ich auf einer Intensivstation lag. Und das wiederum hiess, dass es mir ziemlich schlecht ging. Meine Schädeldecke juckte, und irgendetwas zog mir an den Haaren. Bestimmt ein Verband. Ich versuchte eine erste Selbstdiagnose, doch mein Kopf versagte mir die Zusammenarbeit. Ein dumpfer Schmerz erfasste mich, ohne dass ich sagen konnte, woher er eigentlich kam. Meine Gliedmassen waren schwer, meine Brust schien in Blei gegossen zu sein.
    »Dr. Seidman?«
    Ich blickte zur Tür. Eine kleine Frau betrat das Zimmer, in kompletter Operationsausrüstung einschliesslich Papierhaube. Der obere Verschluss ihres Mundschutzes war geöffnet, so dass er wie ein kleines Lätzchen auf ihre Brust herabhing. Ich bin vierunddreissig. Sie schien in meinem Alter zu sein.
    »Ich bin Dr. Heller«, sagte sie und trat näher ans Bett.
    »Ruth Heller.« Sie nannte mir ihren Vornamen. Professionelle Höflichkeit unter Kollegen. Ruth Heller musterte mich eindringlich. Ich bemühte mich, sie anzusehen. Mein Hirn war noch träge, schien jedoch langsam auf Touren zu kommen.
    »Sie sind im St. Elizabeth Hospital«, sagte sie mit angemessenem Ernst.
    Die Tür hinter ihr wurde geöffnet, und ein Mann betrat das Zimmer. Durch den Duschvorhang-Nebel konnte ich ihn nicht richtig erkennen, ich glaubte aber nicht, dass ich ihn kannte. Der Mann verschränkte die Arme und lehnte sich mit geübter Lässigkeit an die Wand. Kein Arzt, dachte ich. Wenn man lange genug
    mit Ärzten arbeitet, erkennt man so was.
    Dr. Heller warf dem Mann einen kurzen Blick zu und konzentrierte sich wieder auf mich.
    »Was ist passiert?«, fragte ich.
    »Jemand hat auf Sie geschossen«, sagte sie. Dann fügte sie hinzu:
    »Sie haben zwei Schüsse abbekommen.«
    Sie liess das einen Moment im Raum stehen. Ich sah den Mann an der Wand an. Er hatte sich nicht von der Stelle gerührt. Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Dr. Heller fuhr fort:
    »Eine Kugel hat Ihren Schädel gestreift. Sie hat Ihnen förmlich ein Stück von der Kopfhaut abgezogen, die, wie Sie sicher wissen, sehr stark durchblutet ist.«
    Ja, das wusste ich. Grosse Kopfwunden bluten, als hätte man einem die Rübe abgehackt. Okay, dachte ich, das erklärt das Jucken am Schädel. Als Ruth Heller zögerte, fragte ich:
    »Und die zweite Kugel?«
    Heller seufzte.
    »Das war etwas komplizierter.«
    Ich wartete.
    »Die Kugel ist in Ihre Brust eingedrungen und hat den Herzbeutel verletzt. Dadurch ist eine grosse Menge Blut in den Raum zwischen Herz und Herzbeutel geflossen. Die Sanitäter konnten fast keine Lebenszeichen mehr ausmachen. Wir mussten den Brustkorb öffnen …«
    »Doktor?«, unterbrach sie der an der Wand lehnende Mann – und im ersten Augenblick dachte ich, er spräche mit mir. Ruth Heller hielt sichtlich verärgert inne. Der Mann löste sich von der Wand.
    »Können Sie die Einzelheiten später erklären? Die Zeit drängt.«
    Sie warf ihm einen mürrischen Blick zu, ohne ihm jedoch wirklich böse zu sein. »Ich bleibe hier und behalte den Patienten im Auge«, sagte sie, »falls Sie nichts dagegen haben.«
    Dr. Heller trat einen Schritt zurück und der Mann beugte sich über mich. Sein Kopf war zu gross für seine Schultern, so dass man befürchten musste, sein Hals könnte unter dem Gewicht einknicken. Seine Haare waren kurz geschoren, nur vorne waren sie länger und hingen ihm in einer römischen Ponyfrisur über die Augen. Ein Unterlippenbart, ein hässlich hingeschmierter Haarstreifen, hing wie ein Engerling an seinem Kinn. Alles in allem sah er aus wie ein ehemaliges Mitglied einer wirklich heruntergekommenen Boygroup. Ohne jegliche Herzlichkeit lächelte er zu mir herab.
    »Ich bin Detective Bob Regan vom Kasselton Police Department«, sagte er.
    »Ich weiss, dass Sie im Moment verwirrt sind.«
    »Meine Familie …«, setzte ich an.
    »Dazu komme ich gleich«, unterbrach er mich.
    »Aber zuerst habe ich ein paar Fragen an Sie, okay? Bevor wir über die Details sprechen.«
    Er wartete auf eine Antwort. Ich versuchte, den Nebel beiseite zu wischen, und antwortete:
    »Okay.«
    »Was ist das Letzte, an das Sie sich erinnern können?«
    Ich ging den Morgen noch einmal durch. Ich erinnerte mich ans Aufwachen und Anziehen. Ich erinnerte mich, dass ich Tara betrachtet hatte. Ich erinnerte mich, dass ich das schwarzweisse Mobile über ihrer Wiege anschalten wollte, ein Geschenk einer Kollegin, die mir versichert hatte, es würde die Gehirntätigkeit
    des Babys anregen oder so. Das Mobile hatte sich weder bewegt noch seine kurze blecherne Melodie gespielt. Die Batterien waren leer. Ich versuchte, mir zu merken, dass ich neue besorgen musste. Danach war ich nach unten gegangen.
    »Ich habe einen Müsli-Riegel gegessen«, sagte ich.
    Regan nickte, als hätte er diese Antwort erwartet.
    »In der Küche?«
    »Ja. An der Spüle.«
    »Und dann?«
    Ich versuchte, mich zu konzentrieren, aber mir fiel weiter nichts ein. Ich schüttelte den Kopf.
    »Ich bin vorher schon mal aufgewacht. Nachts. Ich glaube, das war hier.«
    »Mehr nicht?«
    Ich versuchte es noch einmal, kam aber nicht weiter.
    »Nein, mehr nicht.«
    Regan zog einen Block aus der Tasche.
    »Wie die Ärztin Ihnen schon gesagt hat, wurde zweimal auf Sie geschossen. Erinnern Sie sich, dass Sie eine Pistole gesehen oder einen Schuss gehört
    haben?«
    »Nein.«
    »Das ist wohl verständlich. Sie waren in keinem guten Zustand, Marc. Die Sanitäter dachten, Sie wären tot.«
    Meine Kehle war wieder trocken.
    »Wo sind Tara und Monica?«
    »Immer schön der Reihe nach, Marc.« Regan schaute nicht mich an, sondern seinen Block. Ich spürte, wie die Angst meine Brust beschwerte.
    »Haben Sie gehört, wie ein Fenster eingeschlagen wurde?«
    Ich fühlte mich benebelt. Ich versuchte, den Aufkleber auf dem Infusionsbeutel zu lesen, um festzustellen, womit sie mich ruhig stellten. Die Schrift war zu klein. Auf jeden Fall ein Schmerzmittel. Wahrscheinlich war Morphin im Tropf. Ich versuchte, gegen die Wirkung anzukämpfen.
    »Nein«, sagte ich.
    »Sind Sie sicher? Hinten war ein Fenster eingeschlagen. Vielleicht ist der Täter dort ins Haus eingedrungen.«
    »Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich gehört hätte, wie ein Fenster eingeschlagen wurde«, sagte ich.
    »Wissen Sie, wer …«
    Regan unterbrach mich.
    »Nein, bisher nicht. Deshalb stelle ich Ihnen diese Fragen. Um rauszufinden, wer das getan hat.« Er blickte von seinem Block auf.
    »Haben Sie irgendwelche Feinde?«
    Hatte er das wirklich gefragt? Ich versuchte, mich aufzurichten, eine etwas andere Perspektive zu bekommen, doch ich hatte keine Chance. Mir gefiel das Patientendasein nicht, ich fühlte mich unwohl in dieser anderen Rolle am Krankenbett. Es heisst, Ärzte seien die schlimmsten Patienten. Wahrscheinlich liegt es an diesem abrupten Rollentausch.
    »Ich will wissen, was mit meiner Frau und meiner Tochter passiert ist.«
    »Das verstehe ich«, sagte Regan, wobei etwas in seiner Stimme lag, das mir wie ein eiskalter Stich ins Herz drang.
    »Aber wir müssen uns auf den Täter konzentrieren, Marc. Gedulden Sie sich noch einen Moment. Sie wollen uns doch helfen, oder? Dann müssen Sie meine Fragen beantworten.« Er sah wieder auf seinen Block.
    »Tja, haben Sie nun Feinde?«
    Weiter mit ihm zu streiten wäre vergeblich, wenn nicht gar schädlich gewesen, also fügte ich mich widerwillig.
    »Jemand, der mich erschiessen würde?«
    »Ja.«
    »Nein. Niemanden.«
    »Und Ihre Frau?« Er musterte mich eingehend. Eins meiner liebsten Bilder von Monica – das Strahlen in ihrem Gesicht, als wir zum ersten Mal die Raymondkill Falls gesehen hatten, als sie mich in gespielter Angst umklammerte, während das Wasser auf uns hinabstürzte – kam mir in den Sinn.
    »Hatte sie Feinde?«
    Ich sah ihn an.
    »Monica?«
    Ruth Heller trat einen Schritt vor.
    »Ich glaube, das reicht für heute.«
    »Was ist mit Monica?«, fragte ich.
    Dr. Heller stand jetzt Schulter an Schulter neben Detective Regan. Beide sahen mich an. Heller wollte wieder protestieren, aber ich unterbrach sie.
    »Kommen Sie mir nicht mit diesem Mist zum Schutz des Patienten«, versuchte ich zu schreien, während Angst und Wut gegen das ankämpften, was mein Gehirn vernebelte.
    »Sagen Sie mir, was mit meiner Frau ist!«
    »Sie ist tot«, sagte Detective Regan. Einfach so. Tot. Meine Frau. Monica. Es war, als hätte ich ihn gar nicht gehört. Die Worte kamen nicht an.
    »Als die Polizei ihre Haustür aufgebrochen hat, war auf sie beide geschossen worden. Sie konnten gerettet werden. Aber für Ihre Frau war es zu spät. Es tut mir Leid.«
    Wieder schoss mir ein Bild durch den Kopf – Monica auf Martha’s Vineyard, in ihrem beigen Badeanzug am Strand. Das schwarze Haar wehte ihr über die Wangenknochen, während sie mich mit ihrem rasiermesserscharfen Lächeln ansah. Mit einem Blinzeln wischte ich das Bild beiseite.
    »Und Tara?«
    »Ihre Tochter?«, setzte Regan an und räusperte sich kurz. Wieder sah er auf seinen Block, aber ich glaube nicht, dass er etwas notieren wollte.
    »Sie war an diesem Morgen zu Hause, ja? Ich meine, als es passiert ist?«
    »Ja, natürlich. Wo ist sie?«
    Mit einer energischen Bewegung klappte Regan seinen Block zu.
    »Als wir dort eintrafen, war sie nicht am Tatort.«
    Meine Lunge wurde zu Stein.
    »Das verstehe ich nicht.«
    »Anfangs hatten wir gehofft, sie sei bei einem anderen Mitglied der Familie oder bei Freunden. Oder bei einem Babysitter, aber …« Seine Stimme erstarb.
    »Sie meinen, Sie wissen nicht, wo Tara ist?«
    Diesmal zögerte er nicht. »Ja, das stimmt.«
    Mir war, als drücke mir eine riesige Hand auf die Brust. Ich kniff die Augen zu und liess den Kopf ins Kissen sinken.
    »Seit wann?«, fragte ich.
    »Seit wann sie vermisst wird?«
    »Ja.«
    Dr. Heller ergriff hastig das Wort.
    »Sie müssen das verstehen. Sie waren schwer verletzt. Wir hatten wenig Hoffnung, dass Sie überleben würden. Sie sind maschinell beatmet worden. Ein Lungenflügel war zusammengefallen. Ausserdem hatten Sie noch eine Infektion. Sie sind selbst Arzt, ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie ernst das in einer solchen Situation ist. Wir haben versucht, die Medikamentendosis langsam zu reduzieren, damit Sie so schnell wie möglich wieder zu sich kommen …«
    »Seit wann?«, fragte ich noch einmal.
    Regan und sie sahen sich an, dann sagte Heller etwas, das mir erneut den Atem verschlug.
    »Sie waren zwölf Tage bewusstlos.«
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Klappenbroschur
Seitenzahl 446
Erscheinungsdatum 01.01.2005
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-45689-5
Verlag Goldmann
Maße (L/B/H) 18.8/12.6/3.4 cm
Gewicht 346 g
Originaltitel No Second Chance
Übersetzer Gunnar Kwisinski
Verkaufsrang 8951
Buch (Klappenbroschur)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
7 Bewertungen
Übersicht
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Spannung bis zur letzten Seite
von einer Kundin/einem Kunden aus St.Gallen am 11.11.2019
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Dies ist das dritte Buch, welches ich von Harlan Corben gelesen habe nach "in deinem Namen" und "sie sehen dich". Er beschreibt in allen seinen Büchern die Umgebung gut und man kann dich was vorstellen. Diese Buch kann relativ schnell lesen, da es abwechslungsreich geschrieben ist. Der Hauptcharakter Marc Seidman sucht in diesem... Dies ist das dritte Buch, welches ich von Harlan Corben gelesen habe nach "in deinem Namen" und "sie sehen dich". Er beschreibt in allen seinen Büchern die Umgebung gut und man kann dich was vorstellen. Diese Buch kann relativ schnell lesen, da es abwechslungsreich geschrieben ist. Der Hauptcharakter Marc Seidman sucht in diesem Buch nach seiner Tochter Tara, welche entführt wurde. Die Entführer stellen eine Lösegeldforderung, aber die Übergabe geht schief. Es gibt viele Wendungen bis zum Schluss.

von einer Kundin/einem Kunden am 29.09.2018
Bewertet: anderes Format

Ein typisch amerikanischer Thriller, schnell und rasant geschrieben, mit einem überraschenden Ende.

von einer Kundin/einem Kunden am 26.04.2018
Bewertet: anderes Format

Spannender und packender Thriller mit vielen überraschenden Wendungen. Man ist von der ersten Seite an gefesselt und fiebert mit den Protagonisten Marc mit. Klare Leseempfehlung!