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Das Auge des Leoparden

Roman


Über interkulturelle Gegensätze

»Der weisse Mann arbeitet schnell und hart, aber Eile und Ungeduld sind in den Augen der Schwarzen ein Zeichen fehlender Intelligenz.«

Eigentlich hatte der junge Mann nur eine kurze Reise nach Afrika machen wollen, aber dann war er neunzehn Jahre geblieben. In Lusaka übernimmt er die Hühnerfarm einer weissen Engländerin und verfolgt ehrgeizige Reformpläne: Er will neue Häuser für die Schwarzen bauen, ihnen höhere Löhne bezahlen und ihren Kindern eine Schule einrichten.

Er sorgt für die Witwe eines schwarzen Handwerkers und ihre vier Töchter, deren jüngste für ihn wie eine eigene Tochter ist. Doch bald mehren sich die Zeichen, dass sich die Zustände nicht so rasch in seinem Sinne ändern lassen. Seine weissen Nachbarn werden massakriert. Und der Mann, den er für seinen einzigen Freund hält, rät ihm, für immer wegzugehen ...

Rezension
"Ein spannendes und kluges Buch."
Neue Zürcher Zeitung
Portrait
Mankell, Henning
Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen, war einer der grossen schwedischen Gegenwartsautoren, von Lesern rund um die Welt geschätzt. Sein Werk wurde in über vierzig Sprachen übersetzt, es umfasst etwa vierzig Romane und zahlreiche Theaterstücke. Nicht nur sein Werk, sondern auch sein persönliches Engagement stand im Zeichen der Solidarität. Henning Mankell lebte abwechselnd in Schweden und Mosambik, wo er künstlerischer Leiter des Teatro Avenida in Maputo war. Er starb am 5. Oktober 2015 in Göteborg. Seine Taschenbücher erscheinen bei dtv.

Berf, Paul
Paul Berf, 1963 in Frechen geboren, übersetzte u. a. Henning Mankell, Kjell Westö und Selma Lagerlöf. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.
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  • Der Tod ist in Afrika immer gegenwärtig«, sagt Werner Masterton. »Ich weiss nicht, woran es liegt. An der Hitze, an allem, was hier verwest, an den Afrikanern, bei denen die Wut gleich unter der dünnen Haut verborgen liegt. Es braucht hierzulande nicht viel, um eine Menschenmenge aufzuwiegeln, und dann erschlagen sie jeden, der ihnen in die Quere kommt, mit einer Keule oder einem Stein.«
    »Dennoch leben Sie beide hier«, sagt Hans Olofson.
    »Vielleicht gehen wir nach Rhodesien«, antwortet Werner Masterton. »Aber ich bin schon vierundsechzig. Ich bin müde, habe Probleme beim Pinkeln und schlafe schlecht. Vielleicht hauen wir trotzdem ab.«
    »Wer würde die Farm kaufen?«
    »Vielleicht sollte ich sie in Brand stecken.«
    Sie kehren zu dem weissen Haus zurück. Wie aus dem Nichts taucht ein Papagei auf und setzt sich auf Hans Olofsons Schulter.
    Anstatt Bescheid zu sagen, dass seine Weiterreise nach Mutshatsha sich erübrigt hat, betrachtet er den Papagei, der nach der Naht seines Hemds hackt.
    Manchmal ist Feigheit meine auffallendste Charaktereigenschaft, denkt er resigniert. Ich traue mich nicht einmal, Menschen die Wahrheit zu sagen, die mich überhaupt nicht kennen.
    Die tropische Nacht senkt sich wie ein schwarzes Tuch herab. Die Dämmerung ist nicht mehr als ein flüchtiger, eilig entschwindender Schatten. Er hat das Gefühl, dass die Dunkelheit ihn in die Vergangenheit zurückversetzt.
    Auf der grossen Terrasse, die sich über die gesamte Vorderseite des Hauses erstreckt, trinkt er Whisky mit Ruth und Werner Masterton. Sie haben sich gerade erst mit ihren Gläsern niedergelassen, als das Licht von Autoscheinwerfern über den Weiden flackert, und er hört das Ehepaar Vermutungen darüber anstellen, wer das sein könnte.
    Ein Wagen hält unterhalb der Terrasse, und ein Mann unbestimmten Alters kommt zu ihnen hinauf. Im gedämpften Licht der Petroleumlampen sieht Hans Olofson, dass der Mann rote Brandwunden im Gesicht hat. Sein Schädel ist völlig kahl, und er trägt einen schlechtsitzenden Anzug. Er stellt sich als Elvin Richardson vor, Farmer wie die Mastertons.
    Wer bin ich, denkt Hans Olofson. Eine zufällige Reisebekanntschaft aus dem Nachtzug von Lusaka nach Kitwe?
    »Viehdiebe«, sagt Elvin Richardson und lässt sich mit einem Glas in der Hand schwer auf einen Stuhl fallen.
    Hans Olofson hört zu, als wäre er ein Kind, das gebannt einem Märchen lauscht.
    »Gestern nacht haben sie unten bei Ndongo den Zaun durchschnitten«, fährt Elvin Richardson fort. »Ruben White haben sie drei Kälber gestohlen. Die Tiere wurden an Ort und Stelle geschlachtet. Die Wachposten haben wie üblich nichts bemerkt. Wenn das so weitergeht, müssen wir Patrouillen organisieren und ein paar Diebe erschiessen, damit sie sehen, dass wir es ernst meinen.«
    Die Konturen schwarzer Diener sind in den Schatten auf der Terrasse zu erkennen.
    Worüber reden die Schwarzen, fragt sich Hans Olofson. Wie beschreibt Louis mich, wenn er mit seinen Freunden am Feuer zusammensitzt? Hat er meine Unsicherheit bemerkt? Wetzt er ein Messer, das ganz allein für mich bestimmt ist?
    Schwarze und Weisse scheinen sich in diesem Land nicht miteinander zu unterhalten. Ihre Welt ist gespalten, es fehlt an gegenseitigem Vertrauen. Über den Abgrund hinweg werden Befehle erteilt, das ist alles.
    Er verfolgt das Gespräch und stellt fest, dass Ruth Masterton aggressiver ist als ihr Mann. Während Werner meint, dass sie noch abwarten sollten, ist sie dafür, gleich zu den Waffen zu greifen.
    Er zuckt zusammen, als einer der schwarzen Diener sich über ihn beugt, um sein Glas aufzufüllen. Schlagartig wird ihm bewusst, dass er Angst hat. Die Terrasse, die blitzschnell einbrechende Dunkelheit, das sorgenvolle Gespräch; all das verunsichert ihn. Er empfindet die gleiche Hilflosigkeit wie als Kind, wenn die Balken im Haus am Fluss sich bei Kälte bogen.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 384
Erscheinungsdatum 01.02.2006
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-423-13424-8
Verlag dtv
Maße (L/B/H) 19.4/12.1/2.5 cm
Gewicht 315 g
Originaltitel Leopardens öga.
Übersetzer Paul Berf
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
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Übersicht
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von einer Kundin/einem Kunden am 16.03.2016
Bewertet: anderes Format

Sehr dramatischer und unter die Haut gehender Schicksalsroman. Ein wirklich gutes Buch.

Afrika der unbekannte Kontinent
von einer Kundin/einem Kunden aus Wetzlar am 17.03.2006

Mankell versteht es, die grundlegend verschiedenen Sichtweisen von Afrikanern und Weißen anschaulich und plastisch vor Augen zu führen. In der ihm eigenen Erzählweise wechselt er ständig zwischen Afrika und Schweden, der Gegenwart und der Vergangenheit. Ein Buch, das sprachlich gut zu lesen ist, mit ausgesprochenem Tiefgang und ... Mankell versteht es, die grundlegend verschiedenen Sichtweisen von Afrikanern und Weißen anschaulich und plastisch vor Augen zu führen. In der ihm eigenen Erzählweise wechselt er ständig zwischen Afrika und Schweden, der Gegenwart und der Vergangenheit. Ein Buch, das sprachlich gut zu lesen ist, mit ausgesprochenem Tiefgang und Seele. Wer sich selber schon in Afrika aufgehalten hat merkt: Hier schreibt ein Insider, der die afrikanische Denkweise kennt und kritisch mit Schwarz und Weiß, Rassismus und Religion auseinandersetzt. Eingebettet in eine soziale und spannende Rahmenhandlung führt der Autor die Unterschiede der Kulturen und Rassen vor Augen. Ein ausgesprochen empfehlenswertes Buch, eines der Besten von Henning Mankell.