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Wir sind dann wohl die Angehörigen

Die Geschichte einer Entführung

Johann Scheerer erzählt auf berührende und mitreissende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen von Entführern befand, das Zuhause zu einer polizeilichen Einsatzzentrale wurde und kaum Hoffnung bestand, ihn lebend wiederzusehen.

»Es waren zwei Geldübergaben gescheitert und mein Vater vermutlich tot. Das Faxgerät hatte kein Papier mehr, wir keine Reserven, und irgendwo lag ein Brief mit Neuigkeiten.« Wie fühlt es sich an, wenn einen die Mutter weckt und berichtet, dass der eigene Vater entführt wurde? Wie erträgt man die Sorge, Ungewissheit, Angst und die quälende Langeweile? Wie füllt man die Tage, wenn jederzeit alles passieren kann, man aber nicht mal in die Schule gehen, Sport machen, oder Freunde treffen darf? Und selbst Die Ärzte, Green Day und die eigene E-Gitarre nicht mehr weiterhelfen?

Rezension
"Es ist in höchstem Masse spannend, obwohl wir wissen, wie es ausgeht.", Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, 20.07.2018
Portrait
Scheerer, Johann
Johann Scheerer, geboren 1982, gründete mit fünfzehn Jahren seine erste Band, nahm mit »Score!« 1999 sein erstes Album auf und ging auf Deutschlandtour. Nach dem Abitur bekam er einen Plattenvertrag für sein Soloprojekt »Karamel«, gründete 2003 das Tonstudio »Rekordbox« und 2005 »Clouds Hill Recordings«. Mittlerweile konnte er die einhundertste Veröffentlichung als Musiker und Produzent feiern, u.a. mit Faust, Gallon Drunk, Bosnian Rainbows, Rocko Schamoni, James Johnston, Peter Doherty und aktuell At the Drive-In. » It s magic what this young German did to my songs. He saved my life.« Peter Doherty // The Libertines, Babyshambles. 2018 erschien sein erster Roman »Wir sind dann wohl die Angehörigen«
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 240
Erscheinungsdatum 01.03.2018
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-492-05909-1
Verlag Piper
Maße (L/B/H) 21.1/13.2/3 cm
Gewicht 400 g
Verkaufsrang 37118
Buch (gebundene Ausgabe)
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Kundenbewertungen

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23 Bewertungen
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Einer der spektakulärsten Entführungen aus Sicht des Sohnes geschildert
von einer Kundin/einem Kunden am 02.01.2019

An die Reemtsma-Entführung 1996 erinnern sich bestimmt noch viele: erst nach seiner Freilassung erfuhr man aus den Medien, dass Jan-Philipp Reemtsma über einen Monat gefangen gehalten und schließlich nach Lösegeldzahlung freigelassen wurde. Sein Sohn, damals 13 Jahre alt, hat dieses Erlebnis nun literarisch verarbeitet und es is... An die Reemtsma-Entführung 1996 erinnern sich bestimmt noch viele: erst nach seiner Freilassung erfuhr man aus den Medien, dass Jan-Philipp Reemtsma über einen Monat gefangen gehalten und schließlich nach Lösegeldzahlung freigelassen wurde. Sein Sohn, damals 13 Jahre alt, hat dieses Erlebnis nun literarisch verarbeitet und es ist ein richtig tolles Buch daraus geworden. Der Schrecken, die Angst, die man als Kind hat, wenn so etwas mit dem eigenen Vater passiert, wird natürlich eindrucksvoll und bewegend geschildert. Zahlreich sind aber auch die Beschreibungen der ganzen skurillen Situationen, die zwangsläufig entstehen: dass plötzlich Tag und Nacht Polizeibeamte im Haus sind und im Wohnzimmer auf der Isomatte schlafen. Dass man sich irgendwann einfach mal abreagieren und eine ganze Packung Eier kaputtwerfen muss. Dass man sich allem Horror zum Trotz aber unbedingt und dringend eine Gitarre wünscht und darauf versucht, Lieder von den Ärzten zu spielen - usw. Und immer wieder wird klar, dass jetzt alles anders ist, dass man etwas erlebt hat, was andere nicht erleben, dass man selbst womöglich ein anderer geworden ist und manche Dinge eben nicht rückgängig zu machen sind. Mir hat dieses Buch richtig gut gefallen, denn es ist beeindruckend ohne eine Super-Helden-Geschichte zu sein, berührend ohne rührselig zu sein, und richtig toll geschrieben! Unbedingt lesen!

33 Tage, die alles veränderten
von Igelmanu66 aus Mülheim am 10.07.2018

»Johann, ich muss dir etwas sagen.« Johann Scheerer wird diesen Morgen des 25. März 1996 nie vergessen. Diesen Morgen, an dem seine Mutter ihn weckte und ihm von der Entführung seines Vaters, Jan Philipp Reemtsma, erzählte. Bis zu diesem Tag hatte sich sein Leben um die normalen Probleme eines 13jährigen gedreht, um Pubertät... »Johann, ich muss dir etwas sagen.« Johann Scheerer wird diesen Morgen des 25. März 1996 nie vergessen. Diesen Morgen, an dem seine Mutter ihn weckte und ihm von der Entführung seines Vaters, Jan Philipp Reemtsma, erzählte. Bis zu diesem Tag hatte sich sein Leben um die normalen Probleme eines 13jährigen gedreht, um Pubertät und Klassenarbeiten. Von einem Moment auf den anderen tritt an die Stelle der Angst vor der anstehenden Lateinarbeit die Angst um das Leben seines Vaters. »Die Entführer werden das Geld bekommen, und dann werden sie ihn ermorden. So läuft das immer, wieso sollte es diesmal anders sein?« In diesem Buch teilt er seine Erlebnisse und Empfindungen während der 33 Tage dauernden Gefangenschaft Reemtsmas mit dem Leser. Seine Art zu schreiben hat mich gleich von der ersten Seite angesprochen. Offen berichtet er über das Gefühlschaos, das in ihm tobte, den ersten Schock, die offenen und verdrängten Ängste. Und das schlechte Gewissen, das ihn ständig plagte, mit Fragen wie: Wie geht es gerade meinem Vater? Leidet er in diesem Moment, in dem ich zur Ablenkung Gitarre spiele oder fernsehe? Wobei die Möglichkeiten zur Ablenkung stark eingeschränkt waren, Polizei und Reporter keinen normalen Alltag zuließen, das Warten auf die nächste Nachricht der Entführer alles bestimmte. Scheerer schildert detailliert die Ereignisse rund um die Entführung, die Telefonanrufe und Erpresserbriefe, die Übergabeversuche des Lösegeldes, die vielen Beratungen mit der Polizei. Und ebenso intensiv erzählt er von Sorgen und Hoffnungen, von quälender Langeweile und dem schon erwähnten schlechten Gewissen. Es ist eigentlich schon kompliziert genug, 13 Jahre alt zu sein. Auch Johann hatte an sich begonnen, sich abzunabeln, erste Schritte zum Erwachsenwerden getan. Und nun befindet er sich unter lauter Erwachsenen in einer Extremsituation, fühlt sich hilflos und überflüssig. Zudem merkt er, dass ihm irgendwelche Dinge verschwiegen werden, dass ihm Infos „kindgerecht“ vermittelt werden. All das lindert das Gefühlschaos in keiner Weise, bringt eher noch seine lebhafte Phantasie dazu, immer neue Horrorszenarien zu entwickeln. Jan Philipp Reemtsma wurde nach 33 Tagen gegen Zahlung eines Lösegeldes von rund 30 Mio. Mark freigelassen. Nach diesen 33 Tagen war sein Leben und das seiner Angehörigen ein anderes geworden. Fazit: Sehr intensiv und persönlich. Bei diesem sehr natürlich erzählten Bericht eines 13jährigen fühlt man auf jeder Seite mit. »Die Worte kamen aus seinem Mund, erreichten meine Ohren und konnten nichts bewirken, um die große Leere in meinem Kopf zu füllen. Rauschen, Dröhnen und Taubheit. Ich merkte, dass ich schon innerhalb dieser wenigen Stunden jemand anderes geworden war. Ich kannte ihn noch nicht, doch fürchtete ich mich davor, ihn kennenzulernen.«

Eine berührendauthentische Entführungsgeschichte...
von dreamlady66 am 07.07.2018

(Inhalt, übernommen) Johann Scheerer erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen von Entführern befand, das Zuhause zu einer polizeilichen Einsatzzentrale wurde und kaum Hoffnung bestand, ihn lebend wiederzusehen. Zum Autor: Johann Sche... (Inhalt, übernommen) Johann Scheerer erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen von Entführern befand, das Zuhause zu einer polizeilichen Einsatzzentrale wurde und kaum Hoffnung bestand, ihn lebend wiederzusehen. Zum Autor: Johann Scheerer, geboren 1982, gründete mit fünfzehn Jahren seine erste Band, nahm mit »Score!« 1999 sein erstes Album auf und ging auf Deutschlandtour. Nach dem Abitur bekam er einen Plattenvertrag für sein Soloprojekt »Karamel«, gründete 2003 das Tonstudio »Rekordbox« und 2005 »Clouds Hill Recordings«. Mittlerweile konnte er die einhundertste Veröffentlichung als Musiker und Produzent feiern. Schreibstil/Fazit: Der Autor Johann Scheerer beschreibt in seinem Buch die Entführung von Jan Philipp Reemtsma, und zwar aus der Sicht seines 13jährigen Sohnes. Er berichtet wahrheitsgetreu und authentisch die Gefühle, Gedanken und Ängste eines Jugendlichen seines Alters und seiner Mutter, die sie durchlebt haben. Der flüssige Schreibstil erleichtert dem Leser das Lesen und sämtliche Charaktere wurden genauestens beschreiben, so daß man sich besser in die verschiedenen Situationen (Ängste sowie langes ungewisses Abwarten) hineinfinden und mitfühlen konnte. Natürlich ist durch so ein schreckliches und dramatisches Geschehendie Kindheit sehr belastet und es braucht eine lange Zeit der Aufarbeitung, aber Ausllöschen oder Verdrängen kann man es niemals. Gott sei Dank gab es nach 33 Tagen durchlebter Ungewißheit ein gutes Ende. Ich empfehle daher dieses Buch mit seiner außerordentlichen deutschen Geschichte sehr gerne weiter, spannende Lesestunden sind Euch garantiert. Danke an vorablesen.de für dieses emotionale Leseexemplar!