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Paris - Austerlitz

Roman

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Taschenbuch
gebundene Ausgabe
Ein junger spanischer Maler flieht vor den Ansprüchen seiner gutbürgerlichen Familie nach Paris und steht dort vor dem Nichts. Er hat keinen Job, kein Geld und weiss nicht wohin, als er Michel kennenlernt, einen Arbeiter Mitte fünfzig, dessen Vitalität ihn fasziniert und anzieht. Sie verlieben sich, Michel nimmt ihn auf, in seine Wohnung, sein Bett, sein Leben. Am Anfang sind sie nur glücklich und geniessen die nächtlichen Streifzüge durch die Kneipen und durch das lichte Paris. Aber irgendwann erinnert sich der junge Mann daran, dass er noch andere Ambitionen hat. Auch der Alters-, Bildungs- und Klassenunterschied macht sich bemerkbar, und die Liebe kann diese Unterschiede nicht besiegen, nicht, wenn sie so besitzergreifend ist wie die Michels.

Portrait
Chirbes, Rafael
Rafael Chirbes wurde 1949 in Tabernes de Valldigna geboren. Er verliess früh den Ort seiner Kindheit und lebte u.a. in Salamanca, Madrid und Barcelona, später einige Zeit in Paris und Marokko. Nach dem Studium arbeitete er als Literatur- und Filmkritiker. Zuletzt lebte Rafael Chirbes in Alicante, wo er 2015 starb.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 160
Erscheinungsdatum 11.06.2018
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-71617-3
Verlag btb
Maße (L/B/H) 18.9/12.1/1.9 cm
Gewicht 168 g
Abbildungen 1 schwarzweisse Abbildungen
Übersetzer Dagmar Plötz
Buch (Taschenbuch)
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Paris-Austerlitz
von miss.mesmerized am 04.10.2016
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Eine Flucht vor der Familie, dem konservativen Leben in Madrid. Ein junger Maler ist auf der Suche nach der Realisierung seiner Träume. Ziel ist die Stadt der Liebe, Paris, wo er zunächst ohne Arbeit und ohne Wohnung bei dem älteren Michel unterkommt. Die beiden Männer verlieben sich und teilen Wohnung, Bett, Leben. Doch es blei... Eine Flucht vor der Familie, dem konservativen Leben in Madrid. Ein junger Maler ist auf der Suche nach der Realisierung seiner Träume. Ziel ist die Stadt der Liebe, Paris, wo er zunächst ohne Arbeit und ohne Wohnung bei dem älteren Michel unterkommt. Die beiden Männer verlieben sich und teilen Wohnung, Bett, Leben. Doch es bleibt immer eine Lücke, nie sind sie völlig vereint. Die Klassenunterschiede, das Alter, aber auch Michels Erwartungen an eine bedingungslose, aufopferungsvolle Liebe halten sie davon ab, völlig ineinander aufzugehen. Ein feiner Riss, der größer wird, je mehr sich der junge Maler emanzipiert und auf eigenen Beinen steht. Doch die endgültige Trennung kann nicht durch getrennte Wohnungen geschehen, nicht durch neue Partner, nicht durch Verleugnung. Erst der Tod kann sie endgültig entzweien. Ein Roman wie ein Abschiedsbrief. Ein Brief, geschrieben aus voller Emotion und innerer Erregtheit heraus. Dies zeigt sich vor allem in der Struktur; nicht zielgerichtet chronologisch lässt Chirbes seinen Erzähler berichten, sondern sprunghaft, in konzentrischen Kreisen, die Michel im Mittelpunkt haben, sich mal näher um ihn drehen, mal weiter entfernt sind. Der regelrechte stream of consciousness lässt die aufgewühlte Stimmung, in der der Erzähler sich befindet, besonders stark hervortreten. Zunächst die unmittelbaren, zeitnahen Erinnerungen an den Geliebten, dann der Rückblick auf das Kennenlernen und wieder eine Annäherung an die Gegenwart. Teils die Beziehung analysierend, teils fast egoistisch emotionsgeladen wird auf die gemeinsame Zeit geblickt. Man kann sich kaum vorstellen, dass dies bloße Imagination des Autors sein soll, zu wirklich und real erscheinen die Gedanken. Neben der Frage danach, wie weit Liebe gehen darf oder muss, reißt Rafael Chirbes noch eine Reihe andere Themen an. Die Lossagung von den Eltern, deren Erwartungen und die nie zu lösende Verpflichtung, die man als Kind ihnen gegenüber empfindet. Gleichzeitig auch Homosexualität und die Frage, wie diese aufgenommen wird. Verhindert der Erzähler das Treffen zwischen Michel und seiner Mutter, weil er denkt, dass er die Erwartungen und Hoffnungen nicht erfüllt und die Enttäuschung nicht noch verstärken möchte, indem er den Partner real werden lässt? Oder schämt er sich wegen der Klassenzugehörigkeit, weil Michel nicht seinem Stand entspricht? Darf Liebe durch so etwas in Frage gestellt werden oder gar scheitern? Michels Erkrankung wird nicht namentlich genannt, es gibt gewisse Hinweise, die auf AIDS hindeuten, auch die Sorge, sich infiziert zu haben, treibt den Erzähler um. Durchaus ein Thema, was insbesondere unter Homosexuellen präsent ist. Rafael Chirbes greift auch auf bekannte Sujets zurück. Die Großstadt, insbesondere Paris als Ziel der Träume, aufgeladen mit hohen Erwartungen an das berufliche und private Glück. Die Gare d’Austerlitz als Ankunftspunkt der Züge aus dem Süden Frankreichs, die erste Begegnung mit der Hauptstadt. Das Wandern durch die Bars, die kurzen, flüchtigen Begegnungen dort ebenso wie die Stammgäste, die sich allabendlich treffen. Auch das ist Chirbes‘ Roman und das Pariser Leben, das gegenüber den Neuankömmlingen schonungslos sein kann und seine Bewohner bisweilen hartherzig und grausam behandelt. In dieser Weise zeichnet auch der Roman kein liebestrunkenes Bild in rosarot, sondern ein buntes Kaleidoskop der menschlichen Emotionen.